Die Aujeszky‘sche Krankheit (AK) ist eine Viruserkrankung des Schweins. Sie wird durch das Suide Herpesvirus vom Typ 1, SHV-1, verursacht. Während gerade ältere Schweine häufig nur einen milden klinischen Verlauf zeigen, verursacht die Infektion bei Fehlwirten, wie Hunden, Katzen und in seltenen Fällen auch Wiederkäuern ein dramatisches Krankheitsbild: Die Tiere entwickeln plötzlich eine große Unruhe, Erregbarkeit und Speichelfluss. Die Infektion verläuft perakut und endet innerhalb von 1-3 Tagen unweigerlich tödlich. Aufgrund der Ähnlichkeit zur Tollwutsymptomatik wird die Erkrankung auch als Pseudowut bezeichnet. Von der Tollwut lässt sich die AK durch einen unstillbaren, zentralnervös bedingten Juckreiz - ein charakteristisches Krankheitsmerkmal, das in ca. 80% der Fälle beobachtet wird – sowie das Fehlen der für die Tollwut typischen Hydrophobie klinisch abgrenzen. In Deutschland wurde die AK in den 1990er Jahren durch die konsequente Impfung mit einem Markerimpfstoff und die Keulung der Feldvirus-infizierten Bestände in der Hausschweinpopulation getilgt. Bei Wildschweinen kommt das Virus allerdings auch in Deutschland noch vor. Durch Kontakt zu infizierten Wildschweinen kommt es daher immer wieder zu sporadischen AK-Fällen bei Jagdhunden. Die größte Gefahr einer Infektion besteht, wenn die Hunde Zugang zum Aufbruch oder rohem Fleisch erhalten oder nach oronasalem Kontakt mit Sekreten an Gebräch, Pinsel und Rauschknospe. Durch das Schnuppern an Exkrementen oder Lagerplätzen von Wildschweinen wird die Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht übertragen.
Während die Impfung von Schweinen einen zuverlässigen Impfschutz bewirkt, kann die Anwendung von für das Schwein zugelassenen Lebendimpfstoffen beim Hund eine vollständige Ausprägung des Krankheitsbildes verursachen. Die Anwendung von Lebendimpfstoffen gegen AK beim Hund ist ein Kunstfehler! Bei Anwendung von Inaktivatimpfstoffen besteht die Gefahr, dass der Hund eine Impfkrankheit entwickelt, nicht. Allerdings vermittelt die Impfung bei Hunden keinen sicheren Impfschutz. In der Vergangenheit wurden immer wieder Impfversuche bei Hunden durchgeführt. Entsprechend einer 1980 veröffentlichten Studie verendeten von 17 Hunden, die mit einem Öl-adjuvantierten Inaktivatimpfstoff immunisiert und anschließend einer Belastungsinfektion ausgesetzt wurden, 14 an der Erkrankung. Drei Hunde überlebten. Ob das auf einen Impfschutz oder eine nicht erfolgreiche Belastungsinfektion zurückzuführen ist, kann mangels geeigneter Kontrollen aus der Studie nicht abgeleitet werden[1].
Ausweislich der Produktdatenbank der Europäischen Arzneimittelbehörde, EMA, gibt es in Europa keinen für Hunde zugelassenen AK-Impfstoff. In Frankreich wurde für Hunde von der zuständigen Behörde, ANSES, eine Anwendungsgestattung für den in Spanien für Schweine zugelassenen, mit einem Mineralöl-Adjuvans versetzten Inaktivatimpfstoff Auskipra-BK der Firma Laboratorios HIPRA[2] erteilt. Nach Auskunft der französischen Behörde wurde die Anwendungsgestattung erteilt, ohne dass von der Firma zusätzliche Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffes bei Hunden vorgelegt wurden. Auf Anfrage teilte das französische nationale Referenzlabor für Aujeszky’sche Krankheit auf Basis von Feldbeobachtungen mit, dass trotz Impfung mit Auskipra-BK eine Infektion von Jagdhunden nicht verhindert werden konnte. Die französische Anwendungsgestattung gilt in Deutschland nicht. Grundsätzlich kann aber nach Artikel 112 der Europäischen Tierarzneimittelverordnung in Eigenverantwortung des behandelnden Tierarztes jeder beliebige, in der EU zugelassene AK-Inaktivatimpfstoff für den Hund umgewidmet werden.
Es ist davon auszugehen, dass die Impfung von Hunden gegen AK mit einem der verfügbaren, inaktivierten Vollvirusimpfstoffe eine allenfalls marginale Schutzwirkung entfaltet. Die Impfung wird daher von der StIKo Vet nicht empfohlen. Entscheidend ist, dass Hunde nach Jagd oder Ausbildung vom Streckenplatz und von potentiell infektiösem Material (Aufbruch und Pirschzeichen) ferngehalten werden.
(Siehe auch NDR-Bericht vom 26.11.2025)
[1] Pensaert MB, Commeyne S, Andries K. Vaccination of dogs against pseudorabies (Aujeszky's disease), using an inactivated-virus vaccine. Am J Vet Res. 1980.
[2] CAVE: Bei einem verwandten Produkt, Auskipra-GN, derselben Firma handelt es sich um einen AK-Lebendimpfstoff!
