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Leishmaniose

Leitsymptome:

  • Haut- und Krallenveränderungen
  • Gewichtsverlust, Fieber, Lymphadenopathie, Splenomegalie
  • Systemerkrankung mit Befall verschiedener Organe und entsprechender Klinik (Glomerulonephritis, Uveitis, Keratokonjunktivitis, ulcerative Rhinitis, Polyarthritis usw.)

 

Labordiagnostik:

  • Antikörpernachweis (IFAT, ELISA)
  • Zytologischer Direktnachweis aus Abklatschpräparat aus Hautläsionen, Knochenmark- oder Lymphknotenpunktaten
  • PCR aus Knochenmark- oder Lymphknotenpunktaten, Konjunktivalabstrich

Ätiologie

Leishmanien sind obligat intrazellulär parasitierende Protozoen. Sie vermehren sich im Säugetierwirt hauptsächlich in Makrophagen und durchlaufen während ihrer Entwicklung einen Wirtswechsel zwischen einem Insekten- und einem Wirbeltierwirt. Weltweit existieren verschiedene Leishmanienarten. Der Erreger der Leishmaniose des Hundes in den Anrainergebieten des Mittelmeers ist Leishmania infantum, die Überträger sind Sandmücken.

Epidemiologie

Leishmania infantum wird durch Sandmücken (Gattungen Phlebotomus oder Lutzomyia) übertragen. Die Aktivität der Sandmücken ist in der Regel auf die Dämmerungs- und Nachtstunden beschränkt. Die Infektionsrate bei Hunden korreliert mit der der lokalen Sandmückenpopulation. Sie kann, abhängig von der Region, zwischen 3 % und 40 % liegen. Die höheren Infektionsraten werden in der Regel in südlicheren Regionen gefunden (z. B. Griechenland, Türkei;); in Italien aber liegen die Infektionsraten in nördlichen Mittelmeerregionen (z. B. Adria) höher als in südlicheren. Selten kann eine Übertragung auch iatrogen (z. B. durch Bluttransfusion) oder direkt von Hund zu Hund (Deckakt, intrauterin) erfolgen. Ein Kontakt zu Sandmücken ist also nicht zwingend erforderlich. Auch Katzen können sich mit Leishmanien infizieren, erkranken aber seltener als Hunde.

Pathogenese

Sandmücken infizieren sich über aufgenommenes Blut ihrer Wirte (z. B. Mensch, Hund, Ratte). Mit dem Blutmahl werden nicht begeißelte und somit unbewegliche, rundliche Amastigoten der Leishmanien (Durchmesser 2 – 5 µm) aufgenommen, die sich im Darm der Sandmücke vermehren und zu begeißelten und beweglichen Promastigoten (Länge 15 – 25 µm) umformen. Nach fünf bis zehn Tagen haben sich die Leishmanien im Mückendarm soweit vermehrt, dass sie den Darm bis hin zum Kropf anfüllen. Diese Obstruktion bewirkt beim nächsten Stich das Regurgitieren des Kropfinhaltes, wodurch die Übertragung der Parasiten auf einen neuen Wirt erfolgen kann. In der Haut des neuen Wirtes werden die Leishmanien von dendritischen Zellen und Makrophagen mittels Phagozytose aufgenommen. Im Phagolysosom der Zellen erfolgt die Umwandlung der Leishmanien in das amastigote Stadium. Nach ihrer Vermehrung zerstören die Parasiten die Zelle und werden freigesetzt, woraufhin sie neuerlich Makrophagen befallen können. Abhängig von der Abwehrlage des Wirtes verläuft die weitere Entwicklung der Infektion entweder subklinisch oder mit mehr oder weniger ausgeprägten klinischen Veränderungen. Reagieren Tiere auf die Infektion vor allem mit einer zellvermittelten Immunantwort, gefördert durch Th1-Zellen, entwickeln sie meist keine klinischen Veränderungen. Überwiegt hingegen eine Antikörper-vermittelte Immunantwort (unterhalten durch Th2-Zellen und B-Lypmphozyten), werden die trotz Anheftung der Antikörper an die Leishmanien noch infektiösen Erreger wiederum von Makrophagen aufgenommen. Hauptsächlich finden sich Leishmanien in Lymphknoten, Knochenmark, Milz und Leber. Mit zunehmender Dauer der Infektion und der stärker werdenden Antikörperproduktion entstehen zirkulierende Antigen-Antikörper-Komplexe, die durch Ablagerung in der Niere eine Glomerulonephritis verursachen und letztendlich zum Tod führen können. Ablagerungen von Immunkomplexen können auch zu Vaskulitis, Uveitis und seltener Polyarthritis führen. Neben dieser indirekten Schädigung durch Immunkomplexe kann die Vermehrung der Leishmanien auch direkte Schäden verursachen, wie z. B. Hautveränderungen und, bei Vermehrung im Knochenmark, Myelosuppression. Die Inkubationszeit ist sehr unterschiedlich und kann zwischen 1 - 3 Monaten bis zu 8 Jahren betragen.

Klinik

Leishmanien können verschiedene Organsysteme des Körpers befallen. Unspezifische klinische Symptome, wie Gewichtsverlust, Fieber, blasse Schleimhäute, Polydipsie, desweiteren häufig Lymphadenopathie und Splenomegalie, können auftreten. Viele erkrankte Tiere zeigen Veränderungen der Haut, wie noduläre Veränderungen an der Stichstelle, Alopezie (u. a. Brillenbildung) und Schuppenbildung („asbestartige Schuppen“), Hautulzerationen über Knochenvorsprüngen, Vaskulitis (mit Manifestation z. B. an der Schwanzspitze, am Nasenspiegel und an den Ohrrändern) und Depigmentation. Krallenbettenzündung und Krallenveränderungen mit Bildung langer, weicher und deformierter Krallen sowie übermäßiges Krallenwachstum treten auf. Durch eine ulzerative Rhinitis, Thrombozyopenie und -pathie sowie Vaskulitis kann es zu dauerhaftem Nasenbluten kommen. Die häufige Nierenbeteiligung (Glomerulonephritis) führt zu Proteinurie und in Folge zu Gewichtsverlust, Thromboseneigung (durch Verlust von Antithrombin) und sekundärer Schädigung der Nierentubuli. Weitere Befunde können Uveitis, Blepharitis, Keratokonjunktivitis, Polyarthritis, selten auch Muskel- und Knochenveränderungen, chronischer Durchfall und ZNS-Symptome sein. Typische Laborabnormalitäten sind Hypergammaglobulnämie (meist polyklonal), Hypalbuminämie, aregenerative Anämie oder auch Panzytopenie durch Myelosuppression, Azotämie, Proteinurie und gelegentlich erhöhte Leberenzymaktivitäten.

Diagnose

Die ätiologische Diagnose gelingt durch den direkten zytologischen oder DNA-basierten Erreger-nachweis mittels PCR oder indirekt anhand eines Antikörpernachweises. Für den indirekten Nachweis der Infektion wird die Bestimmung von Antikörpern mittels Immunfluoreszenz-Test (IFAT) oder ELISA verwendet. Bei Hunden mit klinischen Veränderungen liegt die Sensitivität bei über 90%. Negative Ergebnisse können bei frisch infizierten Tieren, welche noch keine Antikörper entwickelt haben, auftreten. Hunde, die mit Hilfe der zellulären Immunantwort die Infektion kontrollieren, können klinisch unauffällig bleiben und die Antikörper-Bestimmung kann negativ sein. Die Sensitivität der Methoden ist vom klinischen Status (symptomatisch, asymptomatisch) abhängig. Der direkte Nachweis der Leishmanien (Amastigote) kann mittels zytologischer Untersuchungen erfolgen (z. B. Abklatschpräparat von ulzerativen Veränderungen, Knochenmark- oder Lymphknotenpunktaten). Die PCR eignet sich für den direkten Nachweis des Erregers (z. B. aus Knochenmark, Lymph-knotenaspiraten und Konjunktivalabstrichen). Blut eignet sich am wenigsten für die PCR (niedrigste Sensitivität).

Behandlung

Keines der verwendeten Medikamente eliminiert den Erreger, sondern lindert die Ausprägung der Errkrankung; es gibt daher keine Heilung. Bewährt hat sich die Therapie bestehend aus der Kombination Allopurinol und N-Methylglucamin-Antimonat oder Miltoforan. Aktuelle Therapieschemata finden sich u.a. auch auf der Homepage der LeishVet Association, einer internationalen, veterinärmedizinischen Fachgesellschaft, die sich der Bekämpfung der Leishmaniose von Hunden und Katzen verschrieben hat.

Prophylaxe

Da die Leishmaniose in Regionen vorkommt, in denen Sandmücken endemisch sind, ist die Vermeidung von Vektorkontakt essentiell. Falls möglich, sollten Hunde nicht in die für Leishmaniose endemischen Gebiete, auch nicht für Urlaubsreisen verbracht werden. Das unkontrollierte Verbringen und Importieren von Tieren aus Endemiegebieten nach Deutschland ist verboten. Reisebegleitende Hunde sollten mit gegen Sandmücken wirkenden Medikamenten prophylaktisch versorgt werden. An Urlaubsorten in endemischen Gebieten sollten Hunde während der Nacht nicht im Freien untergebracht werden. Um die Sandmücken-Exposition zu minimieren, sollten Fenster und Türen mit feinmaschiger Moskitogaze (< 4 mm Maschenweite) bespannt sein.

Für die Immunprophylaxe stehen derzeit zwei Impfstoffe zur Verfügung. Ein Impfstoff basiert auf sezernierten Proteinen von Leishmania infantum und ist mit gereinigtem Extrakt von Quillaja saponaria adjuvantiert; der andere Impfstoff enthält rekombinantes Protein Q von Leishmania infantum MON-1. Daten zur Wirksamkeit zeigen, dass das Risiko, eine aktive Infektion und eine klinische Erkrankung zu entwickeln, für einen geimpften Hund geringer ist als für einen nicht geimpften Hund. Sollte es nicht möglich sein, eine Verbringung von Hunden in endemische Gebiete zu verhindern, ist daher eine Impfung angezeigt. Nur Antikörper-negative Hunde sollten geimpft werden. Nach der Impfung entstehen Antikörper gegen Leishmanien, die in manchen Tests, z. B. IFAT, zu positiven Reaktionen führen können. Zumindest im Fall des Impfstoffes, der auf sezernierten Proteinen basiert, können Impf- und Infektions-Antikörper nur durch spezielle Antikörper-Untersuchungsmethoden unterschieden werden. Ggf. kann eine diagnostische Unterscheidung zwischen geimpften und infizierten Tieren mittels PCR geführt werden. In einigen Ländern (z. B. Spanien) ist das Medikament Domperidon zur Prophylaxe einer Leishmaniose zugelassen. Es ist in Deutschland über die internationale Apotheke herhältlich. Alternativ kann das entsprechende humanmedizinische Medikament umgewidmet werden.

weiterführende Literatur

  • Veterinärmedizinische Parasitologie; Herausgegeben von T. Schnieder; Parey-Verlag Stuttgart 6. Auflage (2006); Leishmaniose; Astrid Tenter und Peter Deplazes; S. 412 ff.
  • Velez and Gállego (2020) Commercially approved vaccines for canine leishmaniosis: a review of available data on their safety and efficacy. Trop Med Int Health 25 (5): 540-557. 10.1111/tmi.13382
  • Zutshi, et al. (2019) Anti-Leishmanial Vaccines: Assumptions, Approaches, and Annulments. Vaccines (Basel) 7 (4): 10.3390/vaccines7040156
  • Apostolopoulos, et al. (2018) Update on therapy and prevention of canine leishmaniasis. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere 46 (5): 315-322. 10.15654/tpk-180089

 

Zugelassene Impfstoffe

Stand: November 2020

Handelsname

Zulassungsinhaber

Impfantigen

leb./ inakt.

Hyperlink

CaniLeish

Virbac

Leishmania

infantum

inakt.

EPAR

Letifend

Laboratorios LETI

Leishmania

infantum

inakt.

EPAR

Zusammensetzung

Handelsname

Impfantigen

Zelllinie

Inaktivierung

Konservierungsmittel pro Dosis

Adjuvans

CaniLeish

Leishmania

infantum sezernierte Antigene

k.A.

Quillaja saponaria (QA-21) Extrakt   

Letifend

Rekombinantes Protein Q von Leishmania infantum MON-1

k.A.

Applikationshinweise

Handelsname

Dosis

frühester Impfzeitpunkt

Grundimmunisierung

Wiederholung

Bemerkungen

CaniLeish

1 ml;

s.c.

ab 6 Monaten

3 Injektionen im Abstand von 3 Wochen

jährlich

Die Unbedenklichkeit des Tierarzneimittels während der Trächtigkeit und Laktation ist nicht belegt.

Letifend

0,5ml;

s.c.

ab 6 Monaten

1 Injektion

jährlich

Die Unbedenklichkeit des Tierarzneimittels während der Trächtigkeit und Laktation ist nicht belegt.

Anwendungsgebiet

Handelsname

Indikation

CaniLeish

Zur aktiven Immunisierung von Hunden ab einem Alter von 6 Monaten, die negativ auf Leishmanien getestet wurden, um das Risiko einer aktiven Infektion und klinischen Erkrankung nach Kontakt mit Leishmania infantum zu reduzieren.

Beginn der Immunität: 4 Wochen nach Impfung; Dauer der Immunität: 1Jahr nach Impfung.

Letifend

Zur aktiven Immunisierung von nicht infizierten Hunden ab einem Alter von 6 Monaten zur Senkung des Risikos für die Entwicklung einer aktiven Infektion und/oder einer klinischen Erkrankung nach Kontakt mit Leishmania infantum.

Beginn der Immunität: 4 Wochen nach Impfung; Dauer der Immunität: 1Jahr nach der Impfung