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Kaninchenschnupfen

Leitsymptome:

  • chronische Form: Konjunktivitis, purulent-seröser Nasenausfluss
  • perakut-septikämische Verläufe der Pasteurellose sind durch plötzliche Todesfälle gekennzeichnet

Labordiagnostik:

  • kultureller Nachweis aus Tupferproben

Ätiologie

Der Ansteckende Kaninchenschnupfen (Rhinitis contagiosa cuniculi) ist eine Faktorenkrankheit, an der mehrere, bakterielle Erreger ursächlich beteiligt sind. Im Wesentlichen gehören dazu Bordetella bronchiseptica sowie Pasteurella multocida vom Kapseltyp A und D. Bei akut bis perakut verlaufenden Infektionen wird ebenfalls der Kapseltyp A zuweilen aber auch Kapseltyp F beobachtet. Bordetellen sind gramnegative, kokkoide, pleomorphe, peritrich begeißelte Stäbchenbakterien. Die Organismen sind motil und wachsen unter aeroben Bedingungen auf MacConkey-Agar oder speziellem Bordet-Gengou-Agar. Pasteurellen sind gramnegative Stäbchen, die sich mit Methylenblau bipolar anfärben lassen. Pasteurellen lassen sich unter leicht erhöhter CO2-spannung gut auf Blutagar anzüchten.

Epidemiologie

B. bronchiseptica kommt weltweit vor. Das Wirtsspektrum umfasst den Menschen, Nager, Schweine, Hunde, Katzen und niedere Primaten. Als Reservoir kommen deshalb ebenso infizierte Individuen dieser Spezies in Betracht. Auch Pasteurellen haben kein sehr enges Erregerspektrum. Gerade die am Kaninchenschnupfen beteiligten Stämme scheinen aber vor allem innerhalb der Kaninchenbestände zu zirkulieren. Übertragen wird der Erreger durch Tröpfchen und Aerosole, deren Keimgehalt hinsichtlich der infektiösen Dosis bisher nicht bestimmt wurde. Außerhalb der Wirte besitzt B. bronchiseptica eine relativ geringe Tenazität, während Pasteurellen in feuchtem Milieu (z.B. kontaminierten Futtermitteln oder Dung) relativ lange aktiv bleiben können.

Pathogenese

Während der Inkubationszeit von ca. 6 Tagen besiedeln die Bakterien das respiratorische Epithel und vermehren sich auf den Zilien der Epithelzellen. Die Bindung an die Zellen wird durch Adhaesine vermittelt. Nach der Etablierung der Infektion im Respirationstrakt werden Toxine gebildet, welche die Phagozytoseleistung der Epithelzellen mindern und gleichzeitig eine Ziliostasis einleiten. Dabei wird der Ziliarsaum zerstört, der für die Entfernung des Mukus notwendig ist. B. bronchiseptica ist zudem fähig, in Wirtszellen einzudringen und kann so der Immunabwehr entkommen und gleichzeitig eine persistierende Infektion etablieren. Je nach Virulenz des infizierenden Stammes kann die Pasteurelleninfektion auch in einer akut bis perakut verlaufenden Septikämie münden. Außer durch eine Beteiligung des tiefen Respirationstraktes sind diese Verläufe durch serofibrinöse Herzbeutel- und Brustfellentzündungen gekennzeichnet. Bei chronisch erkrankten Tieren stehen eher die Beeinträchtigung des oberen Respirationstraktes und der Konjuktiven im Vordergrund.

Klinik

Beim Kaninchen beginnt der Ansteckende Schnupfen mit trockenem Niesen ohne Störung des Allgemeinbefindens. Danach erscheint wässriger, später mukopurulenter Nasenausfluss, der die Nasenöffnungen verklebt und von ständigem Niesen begleitet ist. Oft weitet sich die Entzündung auf die Bindehäute (katarrhalische bis eitrige Konjunktivitis), das Mittel- und Innenohr (Kopfschiefhaltung) und die Lunge (Bronchopneumonie) aus. Im Bereich der Conchen und Nasennebenhöhlen können sich Empyeme entwickeln, die zu Auftreibungen der Schädelknochen führen können.

Diagnose

Die bakteriologische Diagnose kann mit Hilfe von tiefen Nasentupfern gestellt werden. Für die Probenahme sollten dünne, sterile Baumwolltupfer verwendet werden. Auch Nasenspülproben sind geeignet, um Material für eine bakteriologische Untersuchung zu gewinnen. Die Kultur erfolgt auf selektiven Nährböden. Die bronchoalveoläre Lavage ist möglich, bei Heimtierkaninchen aber bisher nicht als Standardmethode etabiliert. Die geringe Größe und anatomische Besonderheiten im Vergleich zu Kleintieren (enger Oropharynx, Trachealöffnung nur mit Endoskop einsehbar) sind Faktoren, die den Einsatz der Methode erschweren. Bildgebung ist notwendig zur Diagnose von Veränderungen im unteren Respirationstrakt und zum Ausschluss von Zahnerkrankungen, die bei Rhinitiden als wichtigste Differenzialdiagnose in Frage kommen.

Differentialdiagnosen

Erkrankungen der Zähne, insbesondere der Oberkieferinzisivi und der vorderen Oberkieferbackenzähne mussen als Ursache von Rhinitis ausgeschlossen werden. Auch Fremdkörper, Myxomatose, Treponematose und in sehr seltenen Fällen Neoplasien, können Nasenausfluss verursachen. Bei Lungenveränderungen kommen als Differenzialdiagnosen Fremdkörper (aspirierte Futterbestandteile) und Neoplasien (präkardial, pulmonal) in Frage.

Behandlung/ Prophylaxe

Die Therapie erfolgt je nach Ausprägung der Symptome und der Haltungsart (Heim- versus Bestands-tier). In leichten Fällen können die Symptome auch ohne weitere Therapie abklingen, ggf. wirken Schleimlöser unterstützend. Bei stärkeren Symptomen kann neben einer antibiotischen Therapie, eine Spülung der Tränen-Nasenkanäle erfolgen. Analgetika und Schleimlöser können zur Linderung des Befindens beitragen. Infusionen und assistierte Fütterung sind besonders bei Tieren mit beeinträchtigtem Allgemeinbefinden angezeigt. Bei Lungenbeteiligung sollten Brochodilatatoren eingesetzt werden. Augen- und Nasensekrete sollten in regelmäßigen Abständen entfernt werden. Zur Vorbeugung des Kaninchenschnupfens in Beständen ist in Deutschland eine subkutan zu verabreichende Inaktivat-Vakzine, die sowohl B. bronchiseptica- als auch P. multocida-Komponenten enthält, zugelassen. Die Impfung muss von geeigneten Hygienemaßnahmen begleitet werden. Ziel der Impfung, deren Boosterung alle sechs Monate erfolgen soll, ist eine Reduktion des Infektionsdrucks im Bestand. Für Heimtierkaninchen erscheint der Einsatz dieser Impfung nicht sinnvoll.

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Lothar Wieler und Christa Ewers – Pasteurellacae, S.223 ff.; Gattung Bordetella; Rolf Bauerfeind S. 174 ff. 
  • Müller K., Schall H. Kaninchen In: Fehr M, Sassenburg L,Zwart P, eds. Krankheiten der Heimtiere. 8 ed. Hannover: Schlütersche, 2015;1-56.

 

Zugelassene Impfstoffe

Stand November 2020

Handelsname

Zulassungsinhaber

Impfantigen

leb./ inakt.

Hyperlink

Cunivak Past*

CEVA

Pasteurella multocida

Bordetella bronchiseptica

inakt.

PharmNet

*    Der Impfstoff ist derzeit nicht verfügbar. Es ist damit zu rechnen, dass der Impfstoff nach der Übernahme der IDT Tiergesundheit durch die Firma CEVA nicht mehr produziert werden wird.

Zusammensetzung

Handelsname

Impfantigen

Zelllinie

Inaktivierung

Konservierungsstoff pro Dosis

Adjuvans

Cunivak Past

Bordetella bronchiseptica;

Pasteurella multocida,

   Serovar A,

   Serovar D-Toxoid

k.A.

 max. 0,1mg Thiomersal

Aluminiumhydroxid

Applikationshinweise

Handelsname

Dosis

frühester

Impfzeitpunkt

Grundimmunisierung

Wiederholung

Bemerkungen

Cunivak Past

1 ml; s.c.

ab 28. Lebenstag

2 Immunisierungen im Abstand von 14 Tagen

halbjährlich

Wiederholungsimpfungen bei Häsinnen:

intensive Zuchtnutzung: mindestens zu jeder 2. Trächtigkeit 1 ml s.c.

 

konventionelle Zuchtnutzung: halbjährlich 1 ml s.c.

Anwendungsgebiet

Handelsname

Indikation

Cunivak Past

Aktive Immunisierung von Kaninchen gegen Ansteckenden Kaninchenschnupfen, verursacht durch Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica, und gegen Pasteurellose zur Reduzierung der klinischen Erkrankungen und der Mortalität.

Die Immunität ist ca. 14 Tage nach der zweiten Immunisierung ausgebildet und hält 6 Monate an.