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Maul- und Klauenseuche

CAVE: Anzeigepflicht (Kategorie A)

Informationen zum Erreger

Das Virus der Maul- und Klauenseuche (MKS) gehört zur Gattung der Aphtoviren in der Familie der Picornaviridae. Dies sind kleine, ca. 30 nm große unbehüllte, positivsträngige RNA-Viren. Das Virus ist antigenetisch uneinheitlich. Es existieren sieben, nicht-kreuzreaktive Serotypen (A, C, O, SAT1, SAT2, SAT3, Asia 1) und etliche Subtypen, die teilweise keine Kreuzimmunität auslösen. Epidemiologisch sind die hohe Tenazität und die große Kontagiosität von Bedeutung. Das Virus kann bei geeigneten meteorologischen Bedingungen tlws. über große Entfernungen mit der Luft verbreitet werden. Eine große Gefahr stellen unbeabsichtigte Einträge über Lebensmittelreste oder gefrorenes Fleisch dar. Rinder sind hochempfänglich, aber auch infizierte Schweine scheiden, obwohl sie häufig nur milde Symptome zeigen, das Virus in hohen Mengen aus. Ebenso scheiden kleine Wiederkäuer hohe Erregermengen aus, weisen jedoch meist nur milde klinische Symptome auf. Das Virus wird über die Schleimhäute des oberen Respirationstraktes aufgenommen. Von der Primäraphte gelangt es hämatogen zu den Organen des lymphoretikulären Systems. Nach einer weiteren Virämie kommt es zu den typischen Läsionen, d.h. Sekundäraphten, im Maulbereich und oberen Digestionstraktes sowie im Bereich der Klauen. Die Morbidität beläuft sich auf nahezu 100%. Der Verlauf ist i.d.R. gutartig. Bei Kälbern können Myocarditiden mit entsprechend hoher Letalität auftreten.

Differentialdiagnostisch ist an bösartiges Katarrhalfieber, Mucosal Disease, ggf. Blauzungenerkrankung, Vesikuläre Stomatitis, Lippengrind und Rinderpest zu denken. Im Falle des Verdachtes ist eine zügige Abklärung des Primärherdes von entscheidender Bedeutung. Als Probenmaterial eignet sich hierfür frisches Aphtenmaterial, das vom Amtstierarzt zu entnehmen und im nationalen Referenzlabor zu untersuchen ist. Für Import-/ Export- sowie Aufhebungs­untersuchungen nach Ende eines Seuchengeschehens stehen serologische Methoden zur Verfügung.

Die Staaten der EU, die USA, Kanada und Australien sind derzeit frei von MKS. In benachbarten Regionen des Nahen und mittleren Ostens ist das Virus allerdings nach wie vor endemisch. Die Gefahr eines Eintrages ist daher immanent. Die Bekämpfungsstrategie stützt sich auf eine rasche Erkennung gefolgt von einer Massentötung betroffener, infizierter Tiere. Impfungen werden lediglich als Ringvakzinierungen im Seuchenfall eingesetzt. Obwohl die modernen MKS-Impfstoffe kaum Antikörper gegen Nicht-Strukturproteine induzieren und damit zumindest auf Herdenebene die Unterscheidung infizierter von immunisierten Tieren möglich ist, besteht ein grundsätzliches Impfverbot. Die Impfung induziert keinen langanhaltenden Schutz und ist i.d.R. serotyp-spezifisch.

CAVE: Eine Immunisierung ist nur im Seuchenfall nach behördlicher Anordnung zulässig.

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Genus Aphtovirus; Ludwig Haas; S. 614 ff.
  • Longevity of protection in cattle following immunisation with emergency FMD A22 serotype vaccine from the UK strategic reserve. (2010) Cox, et al. Vaccine. 28, pp: 2318-22.
  • The effect of vaccination on undetected persistence of foot-and-mouth disease virus in cattle herds and sheep flocks. (2009) Schley, et al. Epidemiol Infect. 137, pp: 1494-504.

Zugelassene Impfstoffe

Stand November 2020

Handelsname

zugelassen für

Zulassungsinhaber

Impfantigen

leb./ inakt.

Hyperlink

Aftopur AlSap

Rind, Schaf, Ziege

Boehringer Ingelheim

MKSV

inakt.

PharmNet

Aftopur DOE

Rind, Schaf, Ziege, Schwein

Boehringer Ingelheim

MKSV

inakt.

PharmNet

Aftovaxpur DOE

Rind, Schaf, Schwein

Boehringer Ingelheim

MKSV

inakt.

EPAR: Aftovaxpur DOE

Decivac FMD DOE

Rind, Schaf, Ziege, Schwein

Intervet

MKSV

inakt.

PharmNet

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Zusammensetzung

Handelsname

Impfantigen

Zelllinie

Inaktivierung

Thiomersal

Adjuvans (pro Dosis)

Aftopur AlSap

ger. Virus

bis zu 4 Serotypen nach Seuchenlage

BHK-21

Chloroform

Al(OH)3      5-7.5 mg

Saponin   90 HU

Aftopur DOE

ger. Virus

bis zu 4 Serotypen nach Seuchenlage

BKH-21

Chloroform

Paraffinöl. Sorbitanmonooleat und Mannitolmonooleat

360 mg

Aftovaxpur DOE

ger. Virus

bis zu 3 Serotypen nach Seuchenlage

k.A.

k.A.

Paraffin liq             537 mg .

Decivac FMD DOE

bis zu 3 Serotypen nach Seuchenlage

k.A.

k.A.

Montanide ISA 206

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Applikationshinweise

Handelsname

Dosis

frühester Impfzeitpunkt

Grundimmunisierung

Wiederholung

Bemerkungen

Aftopur AlSap

gr.Wdk:     2mL

kl.Wdk: 1mL s.c.

Ab 2 Wochen, bzw. ab 2.5 Mo bei Jungtieren von geimpften Muttertieren

Zwei Imm. im Abstand von 3-4 Wochen

alle 6 Monate

Nur nach behördl. Anordnung

Aftopur DOE

gr.Wdk:     2mL

kl.Wdk: 1mL

 

Ab 2 Wochen

Zwei Imm. im Abstand von 4 Wochen

Wdk: alle 6 Monate

Nur nach behördl. Anordnung

Aftovaxpur DOE

2 mL; s.c.

Schweine: i.m.

Ab 2 Wochen

eine Dosis

alle 6 Monate

Nur nach behördl. Anordnung

Decivac FMD DOE

Rind: 2mL

kl.Wdk: 1mL s.c./ i.m.

über 6 Mo

zwei Imm. im Abstand von 3-5 Wo

alle 6 Monate

Nur nach behördl. Anordnung

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Anwendungsgebiet

Handelsname

Indikation

Aftopur AlSap

Aktive Immunisierung von Wiederkäuern zur Reduktion der klinischen Symptome und Mortalität, die

durch Maul- und Klauenseuche verursacht werden.

 

Beginn der Immunität: 3 Wochen; Dauer der Immunität: 6 Monate.

Aftopur DOE

Aktive Immunisierung von Wiederkäuern und Schweinen zur Reduktion der klinischen Symptome und Mortalität nach Kontakt mit dem Maul- und Klauenseuche-Virus.

 

Beginn der Immunität: 3 Wochen (durch Belastungsstudien nachgewiesen)

Dauer der Immunität: 6 Monate bei Wiederkäuern und mindestens 4 Wochen bei Schweinen

Aftovaxpur DOE

Aktive Immunisierung von Rindern, Schafen und Schweinen ab einem Alter von 2 Wochen gegen Maul- und Klauenseuche zur Reduktion klinischer Symptome.

 

Beginn der Immunität: Rinder und Schafe: 7 Tage nach der Impfung; Dauer der Immunität: Die Impfung von Rindern, Schafen und Schweinen induziert die Produktion neutralisierender Antikörper, die für mindestens 6 Monate bestehen bleiben. Bei Rindern lagen die gemessenen Antikörpertiter höher als zum Schutz erforderlich.

Decivac FMD DOE

Zur aktiven Immunisierung von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen gegen die Maul- und Klauenseuche.

 

Beginn der Immunität: innerhalb 10 Tagen nach der ersten Impfung. Dauer der Immunität: 6 Monate.

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