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Pseudotuberkulose

Informationen zum Erreger

Corynebacterium pseudotuberculosis ist der Erreger der Pseudotuberkulose der kleinen Wiederkäuer (syn. caseous lymphadentits, CLA). Es handelt sich um ein stäbchenförmiges, grampositives Bakterium das -wie Mykobakterien- zur Gruppe der Aktinomyceten gezählt wird. Der Erreger ist weltweit verbreitet. Er kann im Boden, in Einstreu und Staub teilweise über Wochen infektiös bleiben.

Die Infektion erfolgt hauptsächlich indirekt durch die kontaminierte Umgebung. Bei Schafen ist z.B. die Schur ein wichtiger Übertragungsweg. Durch kontaminiertes Schergerät können die Erreger über Wunden eindringen. Ebenso kann dies bei Badbehandlungen, durch kontaminierte Einstreu oder durch Stalleinrichtungen, wie z.B. Fressgitter, geschehen. In geringerem Maße kann die Infektion auch aerogen oder oral durch kontaminiertes Tränkewasser oder Futter erfolgen. Je nach Infektionsweg gibt es unterschiedliche Manifestationsformen. Bei der äußerlichen Pseudotuberkulose kommt es vorrangig zur Abzeßbildung in der Subkutis sowie in oberflächlichen Lymphknoten. Die schmerzlosen, festelastischen bis derben Abszessknoten können nach außen Fistelgänge bilden, aus denen grau-grünliches, z.T. blutig-eitriges Sekret austritt. Derart austretender Eiter ist hochgradig erregerhaltig und eine wesentliche Kontaminationsquelle. Bei der viszeralen Pseudotuberkulose sind vornehmlich die Lungen, die Leber sowie die Nieren und die jeweiligen Lymphknoten befallen. Es kann auch zur Abszeßbildung im Bereich des Euters sowie der Hoden und Nebenhoden kommen. Der chronisch-protrahierte Verlauf ist durch zunehmende Abmagerung und Schwächung der Tiere gekennzeichnet. Häufig verläuft die viszerale Pseudotuberkulose symptomlos und fällt erst bei der Schlachtung oder Sektion auf. Gerade beim Schaf sind die Abszesse durch eine zwiebelschalenartige Schichtung der Läsionen gekennzeichnet.

Am lebenden Tier kann anhand von äußerlich palpierbaren Knoten eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Nicht sichtbare Veränderungen in inneren Organen sind der klinischen Untersuchung nicht zugänglich. Es gibt daher serologische Verfahren, die z.B. auf Antikörpern gegenüber einem von C. pseudotuberculosis gebildeten bakteriellen Exotoxin, einer Phospholipase D, basieren. Je nach Krankheitsphase können die Antikörpertiter stark variieren. Für die sichere Einzeltierdiagnose sind im Verdachtsfall wiederholte Testungen erforderlich. Zur Feststellung eines Bestandsproblemes eignet sich die Testung auf Herdenebene. Infektionen mit Staphylococcus aureus subsp. anaerobicus können bei der Ziege ein klinisch schlecht von der äußerlichen Pseudotuberkulose abgrenzbares Krankheitsbild erzeugen (Morel’s Disease) und müssen differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden.

Zur Bekämpfung ist es vordringlich, klinisch erkrankte Tiere -insbesondere solche, die durch aufgebrochene oberflächliche Abszesse zur Kontamination der Herdenumgebung beitragen– zu identifizieren und zu merzen. In infizierten Herden sind dazu alle Tiere regelmäßig palpatorisch und ggf. serologisch zu untersuchen. Neuzugänge sind bevorzugt aus Pseudotuberkulose-freien Beständen zu remontieren und entsprechend vor Eingliederung in die Herde zu überprüfen. Obwohl der Erreger auf eine breite Palette an Antibiotika empfindlich reagiert, ist ein nachhaltiger Erfolg einer antibiotischen Therapie nicht zu erwarten, da die Medikamente in das granulomatös indurierte Gewebe nur unzureichend eindringen können. Die Impfung erscheint angesichts der schwierigen hygienebasierten Bekämpfung zuweilen als die am einfachsten umzusetzende Maßnahme. Allerdings schützt die Impfung nicht vor Neuerkrankungen, sondern kann allenfalls dazu beitragen, die Schwere der klinischen Erscheinungen und zum Teil die Ausscheidung zu reduzieren. Mittels Impfung ist in aller Regel keine Herdensanierung möglich. Es ist derzeit in Deutschland kein Impfstoff gegen C. pseudotuberculosis  zugelassen. Ein spanisches Präparat, Linfovac® der Firma Laboratorios Ovejero, SA war zugelassen, wird aber derzeit vom Hersteller nicht mehr angeboten. Es ist daher rechtlich grundsätzlich möglich, einen bestandsspezifischen Impfstoff in Auftrag zu geben. In einer Studie konnte durch den Einsatz bestandsspezifischer Impfstoffe bei Milchziegen ein signifikanter Rückgang klinischer Fälle über einen Zeitraum von zwei Jahren erzielt werden. Hierbei wurde ein halbjährliches Impfintervall verwendet. Ggf. muss sogar erwogen werden die Impfungen im Abstand von vier Monaten zu applizieren. Jungtiere sollten erst ab einem Lebensalter von 9 Wochen immunisiert werden (Kutschke et al., 2000).

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz, U. Truyen, P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Pseudotuberkulose, Peter Valentin-Weigand; S. 298 ff.
  • Klinik der Schaf- und Ziegenkrankheiten; Herausgegeben von H. Bostedt, M. Ganter, T. Hiepe; Thieme-Verlag Stuttgart (2018); Pseudotuberkulose, M. Ganter; S. 328 ff.
  • Managing control programs for ovine caseous lymphadenitis and paratuberculosis in Australia, and the need for persistent vaccination. (2014) Windsor. Vet Med (Auckl). 5, pp: 11-22.
  • Control of caseous lymphadenitis. (2011) Windsor. Vet Clin North Am Food Anim Pract. 27, pp: 193-202.
  • [Efficacy of a flock-specific pseudotuberculosis vaccine in goats]. (2000) Kutschke, et al. Dtsch Tierarztl Wochenschr. 107, pp: 495-500.
  • Evaluation of a commercially available vaccine against Corynebacterium pseudotuberculosis for use in sheep. (1998) Piontkowski and Shivvers. J Am Vet Med Assoc. 212, pp: 1765-8.