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Schmallenbergvirus-Infektionen

CAVE: Meldepflicht

Informationen zum Erreger

Das Schmallenbergvirus (SBV) ist erst seit kurzem bekannt. Die Erkrankung wurde 2011 erstmalig im Grenzgebiet Nordrhein-Westfalens zu den Niederlanden beschrieben. Aus einer Blutprobe, die im Hochsauerlandkreis nahe der Kleinstadt Schmallenberg gewonnen wurde, wurde kurz darauf das Virus isoliert. Aufgrund der Sequenzähnlichkeit wurde es der Gruppe der Orthobunyaviridae zugeordnet. Orthobunyaviren zeichnen sich durch ein negativ-strängiges RNA-Genom und z.T. pleomorphe, sphärische Virionen von ca. 100 nm Größe aus. Die drei Genomsegmente, die in je drei helikale Nukleokapside integriert sind, werden von einer gemeinsamen Hülle umgeben, in die die beiden Glykoproteine, G1 und G2, verankert sind. Wie andere Orthobunyaviren auch wird SBV durch Vektoren, in Mitteleuropa in erster Linie Culicoides spp., übertragen. Neuinfektionen korrelieren entsprechend mit dem Vorkommen des Überträgers. Das Virus infiziert Schafe und Rinder. Ziegen sind weniger empfänglich. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Virus auf den Menschen übertragbar ist. Beim Rind verursacht die Infektion zunächst fiebrige Allgemeinsymptome, die häufig mit Durchfall und einem charakteristischen Rückgang der Milchleistung einhergehen. I.d.R. klingen die Symptome nach ca. einer Woche spontan ab. Die Mortalität ist gering. Bei tragenden, nicht-immunen Tieren kommt es allerdings zu einer transplazentaren Infektion der Frucht. Je nach Trächtigkeitsstadium kommt es entweder zum Fruchttod oder zu z.T. gravierenden Missbildungen, insbesondere Arthrogryposen, Hydrocephalus und anderen Malformationen des Kopfes. Diese werden erst mit entsprechender Verzögerung bemerkt.

Anhand von Virusnachweisen und serologischen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass sich das Virus im Jahr 2011 rasant von Nordwesten her über ganz Deutschland ausbreitete. Mittlerweile wird das Virus nur noch vereinzelt nachgewiesen. Es ist ein Impfstoff gegen SBV zugelassen. In Ziegenbeständen war die Seroprävalenz deutlich geringer als in Schafbeständen.

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Familie Bunyaviridae; Martin Pfeffer; S. 542 ff.
  • Serosurvey of Schmallenberg Virus Infections in Sheep and Goat Flocks in Lower Saxony, Germany. (2015) Helmer, et al. Transbound Emerg Dis. 62, pp: 425-36.

Zugelassene Impfstoffe

Stand November 2020

Handelsname

zugelassen für

Zulassungsinhaber

Impfantigen

leb./ inakt.

Hyperlink

Zulvac SBV

Rind, Schaf

Zoetis

SBV

inakt.

EPAR: Zulvac

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Zusammensetzung

Handelsname

Impfantigen

Zelllinie

Inaktivierung

Thiomersal

(pro Dosis)

Adjuvans (pro Dosis)

Zulvac SBV

SBV

St. BH80/11-4

k.A.

BEI

0.1 - 0.2 mg

Al(OH)3      192.6 mg - 385.2 mg

Saponin   0.2 mg - 0.4 mg

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Applikationshinweise

Handelsname

Dosis

frühester Impfzeitpunkt

Grundimmunisierung

Wiederholung

Bemerkungen

Zulvac SBV

Rind:  2 mL i.m.

 

Schaf: 1 mL s.c.

Ab 3.5 Mo

Rind: zweimal im Abstand von 3 Wo

 

Schaf: einmalig

Rind: jährlich 2 Dosen im Abstand von 3Wochen

 

Schaf: halbjährlich;

weibl. Schafe:  spätestens 14 Tage vor Bedeckung

Schafe: Kann nach dem 2. Trächtigkeitsmonat angewendet werden.

Rinder: Die Unschädlichkeit und Wirksamkeit des Impfstoffes bei trächtigen und laktierenden Tieren sind nicht belegt.

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Anwendungsgebiet

Handelsname

Indikation

Zulvac SBV

Rinder:

Zur aktiven Immunisierung ab einem Alter von 3,5 Monaten zur Verminderung der Virämie, verursacht durch eine Infektion mit dem Schmallenbergvirus.

 

Beginn der Immunität: 14 Tage nach Verabreichung der zweiten Dosis. Die Dauer der Immunität beträgt 12 Monate nach Abschluss des ersten Impfzyklus.

 

Schafe:

Zur aktiven Immunisierung ab einem Alter von 3,5 Monaten zur Verminderung der Virämie, verursacht durch eine Infektion mit dem Schmallenbergvirus. Die Impfung von Mutterschafen vor der Trächtigkeit in beschriebenen Impfzyklus führt zur Verminderung der Virämie und von transplazentaren Infektionen, verursacht durch eine Infektion mit dem Schmallenbergvirus im ersten Trimester der Trächtigkeit.

 

Beginn der Immunität: 21 Tage nach der Impfung. Die Dauer der Immunität beträgt 6 Monate nach der Impfung.

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