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Salmonellose

CAVE: Anzeigepflicht beim Rind/ Meldepflicht bei kleinen Wiederkäuern

Informationen zum Erreger

Salmonellen gehören ebenso wie Escherichien zur Familie der Enterobacteriaceae. Sie sind gramnegative Stäbchen, lassen sich gut auf einfachen Nährböden anzüchten und sind i.d.R. von E. coli auf Indikatornährböden durch die fehlende Fermentation von Laktose abzugrenzen. Die Gattung Salmonella besteht aus zwei Spezies, S. enterica und S. bongori, die jeweils in Subspezies unterteilt sind. Entsprechend dem White-Kauffmann-Le Minor-Schema werden innerhalb der Subspezies Serovare unterschieden. S. enterica ssp. enterica enthält z.B. über 1500 Serovare.

Die verschiedenen Serovare haben unterschiedliche Wirtsspezifität. Salmonella Typhi und Paratyphi infizieren ausschließlich Menschen. Andere, wie z.B. Salmonella Typhimurium, infizieren gleichermaßen Mensch und Tier und sind entsprechend für die Lebensmittelhygiene von großer Bedeutung. Die Erreger kommen vor allem im Darm vor. Sie zeichnen sich durch eine hohe Tenazität aus, wodurch sie lange in der Umwelt persistieren können. Die Infektion erfolgt i.d.R. oral über kontaminierte Futtermittel oder Ausscheidungen infizierter Tiere. Als tierartspezifische Serovar spielt Salmonella Dublin beim Rind eine wichtige Rolle und löst schwere fiebrige Allgemeininfektionen und Aborte aus. S. Dublin hat nur ein geringes zoonotisches Potential. Für die Lebensmittelhygiene haben die Serovare Typhimurium, Enteritidis und andere, die mittlerweile häufiger nachgewiesen werden als S. Dublin, eine weit größere Bedeutung. In der Serovar Typhimurium spielt die Phagovar DT 104 eine besondere epidemiologische Rolle. Es können verschiedene Tierarten und bei Rindern alle Altersgruppen betroffen sein. Kälber ab der zweiten Lebenswoche zeigen häufig die schwerste Symptomatik. Durchfälle mit hohem Fieber deuten auf Salmonelleninfektionen hin. Die Diagnose erfolgt über den Erregernachweis aus dem Kot, der Milch oder aus Sektionsmaterial (Gallenblase). Es ist zu beachten, dass bei latenten Infektionen die Erreger nur intermittierend ausgeschieden und so nur durch wiederholte Probenentnahmen und -untersuchungen entsprechend der Salmonellen-Verordnung sicher nachgewiesen werden können. Bei Feststellung einer Salmonellose bei Rindern ist es erforderlich, Untersuchungen zur Verbreitung der Erreger im Bestand durchzuführen, die Infektionsquelle zu identifizieren, erkrankte Tiere ab-, ggf. auszusondern und Sperrmaßnahmen durchzusetzen. Zur Bestandssanierung tragen Hygienemaßnahmen und eine sorgfältige Auswahl von Neuzugängen bei. Die Bekämpfung kann eine antibiotische Therapie beinhalten, Fluorchinolone und Aminopenicilline kommen hier zum Einsatz, allerdings ist jeweils die Resistenzsituation zu berücksichtigen und es ist zu beachten, dass sich latente Infektionen durch Antibiotikagabe nicht sicher beseitigen lassen. Es sind mehrere Impfstoffe zugelassen. Den besten Schutz vermitteln Lebendvakzinen, die oral verabreicht werden. Aufgrund der besonderen Vormagensituation beim Rind ist die Verabreichung selbiger allerdings nur bis zur sechsten Lebenswoche sinnvoll. Die Impfung dient der Reduktion klinischer Symptome, der Mortalität sowie der Erregerausscheidung. Eine Sanierung lässt sich allenfalls durch langjährige Herdenimmunisierungen erzielen. Aufgrund einer Firmenübernahme ist die zukünftige Verfügbarkeit der zugelassenen Impfstoffe ungewiß (s.u.). Bei langfristiger Nichtverfügbarkeit kann ggf. der Einsatz einer bestansspezifischen Vakzine erwogen werden.

Beim Schaf gilt S. Abortusovis als tierartspezifischer Aborterreger. Der Erreger tritt aber in Deutschland selten auf. Typisches Symptom der Infektion ist das Verlammen im 4. bis 5. Trächtigkeitsmonat. Daneben werden auch puerperale Komplikationen, bzw. ein gestörtes Allgemeinbefinden bei Muttertieren und allgemein bei Tieren aller Altersgruppen beobachtet. In Endemiegebieten kann der Einsatz von Impfstoffen die Abortinzidenz drastisch reduzieren. Seit Kurzem ist eine Kombinationsvakzine gegen S. Abortusovis, die zusätzlich eine C. abortus Komponente enthält, zugelassen. Neben dieser streng wirtsspezifischen Serovar treten beim Schaf auch S. Typhimurium und Montevideo als Abort- und Durchfallerreger auf. Salmonella enterica subspec. diarizonae serovar 61(k):1,5, (7) gilt als Schaf adaptiert mit geringem Risiko für die Übertragung auf den Menschen, weshalb Kontrollmaßnahmen bei diesem Serotyp nicht empfohlen werden.

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Gattung Salmonella; Hans-Joachim Selbitz; S. 203 ff.
  • Bostedt, H.; Ganter, M.; Hiepe, T. (Hrsg.): Klinik der Schaf- und Ziegenkrankheiten, 1. Auflage. Stuttgart: Thieme, 2018,ISBN 978-3-13-242281-0; DOI10.1055/b-006-161625
  • Changes in the risk management of Salmonella enterica subspecies diarizonae serovar 61:(k):1, 5, (7) in Swedish sheep herds and sheep meat due to the results of a prevalence study 2012. (2015) Soren, et al. Acta Vet Scand. 57, pp: 6.
  • Characterization of virulence factors in Escherichia coli isolated from diarrheic and healthy calves in Austria shedding various enteropathogenic agents. (2009) Herrera-Luna, et al. Veterinarni Medicina. 54, pp: 1-11.
  • Querschnittsstudie zum Vorkommen von Campylobacter spp., Yersinia enterocolitica, Salmonellen, Rotaviren und Kryptosporidium parvum in Milchviehbetrieben mit Kälberdurchfallproblemen des nördlichen Baden-Württemberg. (2005) Hoefle. Dissertationschrift – Veterinärmedizinische Fakultät, FU Berlin. pp: 144.
  • Salmonella typhimurium infection in calves: protection and survival of virulent challenge bacteria after immunization with live or inactivated vaccines. (1983) Robertsson, et al. Infect Immun. 41, pp: 742-50.
  • Salmonella typhimurium infection in calves: cell-mediated and humoral immune reactions before and after challenge with live virulent bacteria in calves given live or inactivated vaccines. (1983) Lindberg and Robertsson. Infect Immun. 41, pp: 751-7.
  • Comparative Investigations on Oral Immunization with Heat-Inactivated and Live, Avirulent [∆Gal E] Typhimurium Bacteria against Salmonellosis in Calves. (1981) Baljer, et al. Zentralblatt Fur Veterinarmedizin Reihe B-Journal of Veterinary Medicine Series B-Infectious Diseases Immunology Food Hygiene Veterinary Public Health. 28, pp: 759-766.

Zugelassene Impfstoffe

Stand November 2020

Handelsname

zugelassen für

Zulassungsinhaber

Impfantigen

leb./ inakt.

Hyperlink

BOVISALORAL *

Rind

Ceva

S. Dublin

leb.

PharmNet

Murivac *

Rind

Ceva

S. Thyphimurium

inakt.

PharmNet

Zoosaloral R

Rind

Ceva

S. Thyphimurium

leb.

PharmNet

Inmeva

Schaf

HIPRA

S.Abortus-ovis

C. abortus

inakt.

PharmNet

 

* Die Impfstoffe sind derzeit nicht verfügbar. Es ist damit zu rechnen, dass sie nach der Übernahme der IDT Tiergesundheit durch die Firma CEVA in Zukunft nicht mehr produziert werden.

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Zusammensetzung

Handelsname

Impfantigen

Zelllinie

Inaktivierung

Konservierungsstoff

(pro Dosis)

Adjuvans (pro Dosis)

BOVISALORAL

Salmonella Dublin

auxotroph doppelt attenuiert

Murivac

Salmonella

Typhimurium

Formaldehyd

25 mg Phenol

Al(OH)3                              10.5 mg

Zoosaloral R

Salmonella

Typhimurium

auxotroph doppelt attenuiert

Inmeva

Salmonella Abortus-ovisStamm Sao;

Chlamydophila abortus, Stamm A22

-

k.A.

-

Al(OH)3                             5.3 mg

DEAE-Dextran         20 mg

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Applikationshinweise

Handelsname

Dosis

frühester Impfzeitpunkt

Grundimmunisierung

Wiederholung

Bemerkungen

BOVISALORAL

5 mL; p.o.

vom 1.Tag bis zur 6. Woche

einmalig zusammen mit mind. 1L Flüssigkeit zu vertränken

3 Tage vor und nach der Immunisierung darf keine antibiotische Therapie erfolgen

Murivac*

5 mL; s.c.

ab 4 Wochen

Zweimal im Abstand von 2 Wochen

Jungrinder eine Dosis jeweils im Alter von 6, 12 und 18 Monaten

Kann während der Trächtigkeit/ Laktation angewendet werden; bei einem aktiven Bestandsgeschehen wird die Immunisierung aller Rinder im Abstand von 2 Wo und nachfolgend die halbjährliche Wiederholung empfohlen.

Zoosaloral R

5 mL oral

vom 1.Tag bis zur 6. Woche

einmalig zusammen mit mind. 1L Flüssigkeit zu vertränken

3 Tage vor und nach der Immunisierung darf keine antibiotische Therapie erfolgen

 

eine gleichzeitige Verabreichung mit BOVISALORAL ist möglich

Inmeva

2 ml; s.c.

ab 5 Monaten

2 Immunisierungen im Abstand von 3 Wochen

2 Wochen vor jeder künstl. Besamung oder Paarung;

Nicht später als 1 Jahr nach der Grundim­munisierung

Die erste Dosis sollte mindestens 5 Wochen vor einer künstlichen Besamung oder Paarung verabreicht werden; die zweite Dosis sollte 3 Wochen nach der ersten Dosis verabreicht werden. Die Anwendung während des letzten Monats der Trächtigkeit wird nicht empfohlen.

 

* Für die Immunisierung von Kühen empfiehlt der Hersteller ein komplexes Immunisierungschema, das sich in der Tabelle schlecht darstellen lässt. Es sei auf die Gebrauchsinformation verwiesen.

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Anwendungsgebiet

Handelsname

Indikation

BOVISALORAL

Aktive Immunisierung der Kälber gegen Salmonella Dublin-Infektionen mit dem Ziel der Reduktion von klinischer Symptomatik, Mortalität und Erregerausscheidung.

 

Eine stabile Immunität besteht gegen Ende der 2. Woche nach Impfstoffgabe. Die Dauer der Immunität ist im Belastungstest für einen Zeitraum von 6 Monaten nachgewiesen.

Murivac

Aktive Immunisierung der Rinder gegen Salmonella Typhimurium – Infektionen, mit dem Ziel der Reduktion von klinischer Symptomatik, Mortalität und Erregerausscheidung.

 

Eine stabile Immunität besteht 14 Tage nach der zweiten Immunisierung.

Die Dauer der Immunität beträgt mindestens 6 Monate.

Zoosaloral R

Aktive Immunisierung der Kälber gegen Salmonella Typhimurium-Infektionen mit dem Ziel der Reduktion von klinischer Symptomatik, Mortalität und Erregerausscheidung.

 

Eine stabile Immunität besteht gegen Ende der 2. Woche nach Impfstoffgabe. Die Dauer der Immunität ist im Belastungstest für einen Zeitraum von 28 Wochen nachgewiesen.

Inmeva

Für die aktive Immunisierung von Tieren zur Verringerung von klinischen Symptomen (Fehlgeburt, Totgeburt, Frühsterblichkeit und Hyperthermie) verursacht durch Chlamydia abortus sowie von Fehlgeburten verursacht durch Salmonella Abortusovis und zur Verringerung der Ausscheidung beider Erreger durch infizierte Tiere.

 

 Es besteht über die gesamte Trächtigkeitsdauer eine ausreichende Immunität.

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