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Coxiellose

CAVE: Meldepflichtig (Kategorie E)

Informationen zum Erreger

Der Erreger der Coxiellose (Q-Fieber), Coxiella burnetii, stellt sich als ein 0.2-1 µm großes, kokkoides Stäbchen dar. Wie andere Rickettsien auch, ist es auf eine intrazelluläre, parasitäre Lebensweise angewiesen. Entscheidend für die hohe Tenazität des Erregers ist die Eigenschaft sporenartige Dauerformen auszubilden.

Das Q-Fieber des Menschen ist eine Zoonose und unterliegt der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz. Die Infektion von Menschen erfolgt i.d.R. aerogen. Coxiellen werden beim Lammen und Kalben in hohen Konzentrationen mit der Nachgeburt und der Lochialflüssigkeit ausgeschieden, daher ist die Infektionsgefährdung für Personen peripartal am höchsten. Weiterhin scheiden infizierte Tiere den Erreger mit Kot, Urin, Speichel und Milch aus. Das Euter inkl. der zugehörigen Lymphknoten ist bei Rindern ein Ort der Erregerpersistenz. Eine Übertragung während des Deckaktes erscheint möglich. Auch Zecken – insbesondere Dermacentor marginatus, stellen ein mögliches Erregerreservoir dar, wobei hier eine transovariale/vertikale Übertragung möglich ist.

Die Infektion verläuft bei Wiederkäuern insbesondere bei Schafen häufig subklinisch, dagegen treten bei Ziegen vermehrt Aborte und Frühgeburten auf und bei bei Rindern steht eine reduzierte Fertilität im Vordergrund. Erregernachweise können mit einer quantitativen PCR geführt werden, so dass auch die Erregermenge bewertet werden kann. Darüberhinaus sind Coxiellen bei hoher Erregerdichte im Abortmaterial direkt anfärbbar oder immunhistochemisch darstellbar. Obwohl Tetrazykline und Fluorchinolone eine Wirksamkeit aufweisen, ist eine Erregerfreiheit durch eine antibiotische Therapie nicht zu erreichen. Doxycyclin scheint beim Menschen besser zu wirken, der Wirkstoff ist aber für Wiederkäuer nicht zugelassen. Eine Bekämpfung der Zecken und eine ausreichende Geburtshygiene können helfen, den Infektionsdruck zu mindern. Beim Zukauf von Tieren in Coxiellose-freie Bestände, ist eine serologische Kontrolle angezeigt. Ein kommerzieller Impfstoff ist in Deutschland seit 2010 für Rinder und Ziegen zugelassen. Eine Umfrage der niedersächsischen Tierseuchenkasse deutet daraufhin, dass Coxiellen-bedingte Reproduktionsstörungen bei Milchrindern durch den Einsatz des Impfstoffes deutlich verbessert werden können (siehe Lehner et al.; 2017). Allerdings kann es nach mehreren Wiederholungsimmunisierungen zu Lokalreaktionen kommen. In einer Untersuchung des Rindergesundheitsdienstes Bayern wurde die Impfung in einer Rinderherde nach einer Grundimmunisierung aller Tiere (>12 Monate) auf die Grundimmunisierung der Färsen vor dem Belegen und eine einmalige Wiederholungsimpfung nach der ersten Kalbung bzw. vor der erneuten Belegung umgestellt. Die Wiederholungsimpfung führte zu einer starken Boosterung der Immunantwort, die sich als ein starker An-stieg der IFN-γ-Reaktion sowie der Phase I- und Phase II-Antikörper darstellte. Über einen Beobachtungszeitraum von 3 Jahren entwickelten sich keine neuen chronisch-infizierten Kühe (Erregerausscheidung mit der Milch), obwohl vorhandene chronisch-infizierte Kühe noch in der Herde standen. Eine geringgradige Erregerauscheidung wurde zwar bei Kalbungen beobachtet, sie konnte aber immer direkt oder indirekt auf Kalbungen von bekannten, chronisch-infizierten Kühen zurückgeführt werden (Böttcher et al., 2018). Das beschriebene Immunisierungsschema hat sich in der untersuchten Herde bewährt. Je nach Bestandssituation kann durch eine derartige Strategie eine ausreichende Grundimmunität im Bestand induziert und gleichzeitig das Auftreten von Lokalreaktionen minimiert werden. Experimentell gibt es Hinweise, dass der Impfstoff auch bei Schafen wirkt (siehe Eibach et al., 2012).

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Coxiellose, Q-Fieber; R. Straubinger; S. 335 ff.
  • Q-GAPS Konsortium; www.q-gaps.de/konsortium.html
  • Coxiella burnetii: Ein Übersichtsartikel mit Fokus auf das Infektionsgeschehen in deutschen Schaf-und Ziegenherden. (2020) Bauer, et al. Berliner und Muenchener Tierärztliche Wochenschrift pp: .
  • Q-Fieber: Ein langfristiges Impfkonzept erfordert einen vernünftigen Kompromiss. (2018) Böttcher, et al. Tierärztliche Umschau. 73, pp: 395-403.
  • [Effects of vaccination against Q-fever in Lower Saxony dairy cattle farms]. (2017) Lehner, et al. Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere. 45, pp: 141-149.
  • Coxevac : EPAR - Reassessment Report. (2014) CVMP. pp: .
  • Long-term monitoring of a Coxiella burnetii-infected sheep flock after vaccination and antibiotic treatment under field conditions. (2012) Eibach, et al. Berl Munch Tierarztl Wochenschr. 126, pp: 3-9.
  • Assessment of vaccination by a phase I Coxiella burnetii-inactivated vaccine in goat herds in clinical Q fever situation. (2012) de Cremoux, et al. FEMS Immunol Med Microbiol. 64, pp: 104-6.

Zugelassene Impfstoffe

Stand November 2020

Handelsname

zugelassen für

Zulassungsinhaber

Impfantigen

leb./ inakt.

Hyperlink

Coxevac

Rind, Ziege

CEVA

C. burnetii

inakt.

EPAR

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Zusammensetzung

Handelsname

Impfantigen

Zelllinie

Inaktivierung

Thiomersal

Adjuvans

Coxevac

C. burnetii PhaseI

St. Nine Mile

embryoniertes

SPF Hühnerei

Formaldehyd

≤120 µg / ml

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Applikationshinweise

Handelsname

Dosis

frühester Impfzeitpunkt

Grundimmunisierung

Wiederholung

Bemerkungen

Coxevac

Rind:  4 mL Ziege: 2 mL s.c.

Ab 3 Monaten

Zweimal im Abstand von 3 Wo; abgeschlossen 3 Wo vor der Belegung

Rind: alle 9 Monate

Ziege: jährlich

Kann während der Trächtigkeit und Laktation verabreicht werden; Lokalreaktionen werden häufig beobachtet

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Anwendungsgebiet

Handelsname

Indikation

Coxevac

Rinder

Zur aktiven Immunisierung von Rindern, um für nicht-infizierte, nicht-tragende Tiere das Risiko zum Erregerausscheider zu werden zu mindern (die Wahrscheinlichkeit ist fünfmal niedriger im Vergleich zu Tieren, die ein Placebo erhalten), sowie die Ausscheidungsrate von Coxiella burnetii über die Milch und den Vaginalschleim bei diesen Tieren zu senken. 

 

Beginn der Immunität: nicht untersucht.

Dauer der Immunität: 280 Tage nach vollständiger Grundimmunisierung.

 

Ziegen

Zur aktiven Immunisierung von Ziegen zur Reduktion von durch Coxiella burnetii verursachten Aborten und zur Verminderung der Ausscheidung des Erregers über die Milch, den Vaginalschleim, die Fäzes und die Plazenta. 

 

Beginn der Immunität: nicht untersucht.

Dauer der Immunität: ein Jahr nach vollständiger Grundimmunisierung.

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