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Chlamydiose beim Schaf

CAVE: Meldepflicht!

Informationen zum Erreger

Chlamydien sind obligat intrazellulär parasitierende Bakterien. Sie bilden 0,2-0,4 µm kleine, infektiöse Dauerformen, sogenannte Elementarkörperchen (EK), aus. Nach rezeptorvermittelter Endozytose durch eukaryontische Wirtszellen entwickeln sich in den Phagosomen der Wirtszelle daraus die größeren, pleomorphen, stoffwechselaktiven Retikularkörperchen (RK), die sich intrazellulär durch Zweiteilung vermehren. Am Ende des Vermehrungszyklus differenzieren die nicht-infektiösen RK zu EK, die anschließend durch Zerstörung der Zelle freigesetzt werden. Dieser Zyklus nimmt 48-72 h in Anspruch. Neben den RK werden intrazelluläre Formen mit geringer metabolischer Aktivität beobachtet, die zur Persistenz des Erregers im infizierten Wirt beitragen.

Chlamydia psittaci wurde lange Zeit als einzige tierpathogene Spezies angesehen. Bei Wiederkäuern, insbesondere Schafen und Ziegen, kann Chlamydia abortus (früher: Chlamydia psittaci Serovar I)Verluste durch Aborte und die Geburt lebensschwacher Lämmer verursachen. Die Muttertiere zeigen in der Regel kaum klinische Symptome, allenfalls eine Plazentitis. Innerhalb weniger Ablammperioden kommt es zu einer stabilen, persistierenden Durchseuchung und einer entsprechenden Herdenimmunität. Dadurch beruhigt sich das Abortgeschehen zunächst. Anhand serologischer Untersuchungen lässt sich entsprechend eine weite Verbreitung des Erregers belegen. Die infektiösen Stadien können mit der Milch, dem Harn sowie dem Kot ausgeschieden werden. Epidemiologisch am bedeutsamsten ist allerdings die massenhafte Ausscheidung von infektiösen Einheiten mit Abortmaterial, bzw. Lochialflüssigkeit. Therapeutisch können Tetracycline zum Einsatz kommen. Eine Herdensanierung ist durch Antibiotikagabe allerdings nicht zu erreichen. Es ist ein attenuierter Lebend-Impfstoff auf Basis eines temperatursensitiven C. abortus Stammes in Deutschland zugelassen. Der Impfstoff induziert eine langandauernde Immunität, die im Infektionsversuch zu deutlich reduzierten Abortraten und zu einer deutlich reduzierten Erregerausscheidung führt. In Ausnahmefällen kann aber auch der Impfstamm Impferkrankungen mit Aborten verursachen. Berichte dazu kommen aus dem Vereinigten Königreich, in Deutschland wurden solche Impferkrankungen noch nicht nachgewiesen. Seit Kurzem ist ein Inaktivatimpfstoff verfügbar, der zusätzlich Salmonella abortusovis-Komponenten enthält.

CAVE: C. abortus ist ein Zoonoseerreger. Auch der Impfstamm kann bei Schwangeren und immunsupprimierten Patienten zu klinischen Problemen führen.

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Ordnung Chlamydiales; R.Straubinger; S. 325 ff.
  • Treatment and control of chlamydial and rickettsial infections in sheep and goats. (2011) Stuen and Longbottom. Vet Clin North Am Food Anim Pract. 27, pp: 213-33.

Zugelassene Impfstoffe

Stand November 2020

Handelsname

zugelassen für

Zulassungsinhaber

Impfantigen

leb./ inakt.

Hyperlink

Ovilis Enzovax

Schaf

Intervet

Chlamydia abortus

leb.

PharmNet

Inmeva

Schaf

HIPRA

S.Abortus-ovis

C. abortus

inakt.

PharmNet

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Zusammensetzung

Handelsname

Impfantigen

Zelllinie

Inaktivierung

Thiomersal

Adjuvans

Ovilis Enzovax

C.abortus

St. ts 1B

embryoniertes SPF-Hühnerei

Inmeva

Salmonella Abortus-ovis

Stamm Sao;

Chlamydophila abortus, Stamm A22

-

k.A.

-

Al(OH)3                             5.3 mg

DEAE-Dextran         20 mg

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Applikationshinweise

Handelsname

Dosis

frühester Impfzeitpunkt

Grundimmunisierung

Wiederholung

Bemerkungen

Ovilis Enzovax

2 mL; s.c./i.m.

Ab 5. Monat

Zur Zucht vorgesehene Schaflämmer: 1 Impfung ab einem Alter von 5 Monaten

 

Jährlinge und ältere Zuchtschafe: 1 Impfung 4 Monate bis 4 Wochen vor der Belegung

alle 3- 4 Jahre

Keine trächtigen Tiere impfen; nicht später als 4 Wochen vor dem Belegen impfen; keine Tiere impfen, die mit Antibiotika, insbesondere Tetrazyklinen, behandelt werden; der Impfstoff sollte von Schwangeren und immunsupprimierten Personen grundsätzlich nicht angewendet werden.

Inmeva

2 ml; s.c.

ab 5 Monaten

2 Immunisierungen im Abstand von 3 Wochen

2 Wochen vor jeder künstl. Besamung oder Paarung;

Nicht später als 1 Jahr nach der Grundim–munisierung

Die erste Dosis sollte mindestens 5 Wochen vor einer künstlichen Besamung oder Paarung verabreicht werden; die zweite Dosis sollte 3 Wochen nach der ersten Dosis verabreicht werden. Die Anwendung während des letzten Monats der Trächtigkeit wird nicht empfohlen.

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Anwendungsgebiet

Handelsname

Indikation

Ovilis Enzovax

Zur aktiven Immunisierung von empfänglichen weiblichen Zuchtschafen als unterstützende Maßnahme zur Verhinderung der durch Chlamydophila abortus (früher als Chlamydia psittaci bezeichnet) verursachten Aborte und Totgeburten. 

 

Beginn der Immunität: Es konnte gezeigt werden, dass Mutterschafe, die 4 Wochen vor der Belegung geimpft wurden, geschützt waren. 

Dauer der Immunität:  3 - 4 Jahre

Inmeva

Für die aktive Immunisierung von Tieren zur Verringerung von klinischen Symptomen (Fehlgeburt, Totgeburt, Frühsterblichkeit und Hyperthermie) verursacht durch Chlamydia abortus sowie von Fehlgeburten verursacht durch Salmonella Abortusovis und zur Verringerung der Ausscheidung beider Erreger durch infizierte Tiere.

 

 Es besteht über die gesamte Trächtigkeitsdauer eine ausreichende Immunität.

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