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Aktuelles von der StIKo Vet

Nachweis des Hasen-adaptierten Myxomavirus (ha-MYXV) bei Hauskaninchen

Kleintier

Das Friedrich-Loeffler-Institut berichtet über eine neue Myxomavirus-Variante, die neben Kaninchen auch Feldhasen betreffen kann.

Die Myxomatose ist bei Wild- und Hauskaninchen europaweit verbreitet und ruft in Kaninchen eine meist generalisierte, systemische Infektion hervor. Die Erkrankung kann innerhalb von nur wenigen Tagen bis Wochen ein häufig tödliches Ende nehmen. Die Infektion wird durch Ausscheidungen von infizierten Tieren über direkten Kontakt sowie durch indirekten Kontakt mit kontaminierten Gegenständen oder Umweltmaterialien übertragen. Eine wichtige Rolle spielen blutsaugende Vektoren (Flöhe, Mücken und vermutlich Zecken), die den infektiösen Erreger wochenlang übertragen können. 

Im Gegensatz zu Kaninchen sind europäische Feldhasen wenig empfänglich für die Infektion mit klassischen Myxomaviren. Sie zeigen auch bei hohem Infektionsdruck kaum klinische Veränderungen, ein tödlicher Ausgang bleibt eine Seltenheit. Im Sommer 2024 wurden in Nordrhein-Westfalen auffällig viele Todesfälle bei Feldhasen mit Myxomatose-typischen Veränderungen beobachtet. In den Hasen konnte das sogenannte „Toledo-Virus“, auch bekannt als „ha-MYXV“ identifiziert werden. Es handelt sich dabei um eine natürliche Myxomavirus-Variante, die auch Feldhasen infizieren kann und in dieser Tierart eine hohe Sterblichkeit verursacht. 2018 wurde die Variante erstmals beim Iberischen Hasen in Spanien und Portugal beschrieben (1, 2). Der Erreger breitete sich in Nordrhein-Westfalen, in den Niederlanden, in Niedersachsen und 2025 auch in Schleswig-Holstein aus. Aktuell werden zahlreiche Fälle in Österreich und in Tschechien gemeldet. Aufgrund der Virusausbreitung in der Feldhasenpopulation erschließt sich für das ha-MYXV mit dem Feldhasen ein Wildtierreservoir auch in Gebieten, in denen Myxomatose bei Kaninchen bisher kein Problem darstellte. In Deutschland wurden aktuell erste Fälle von ha-MYXV-Infektionen in Hauskaninchen nachgewiesen. 

Die Impfung gegen Myxomatose schützt Kaninchen sicher vor schweren Infektionsverläufen. Die StIKo Vet bewertet die Impfung daher als Core-Impfung. Erste Wirksamkeitsstudien belegen, dass z. B. der derzeit in Deutschland zugelassene trivalente Impfstoff gegen MYXV sowie RHDV-1 und RHDV-2 Kaninchen auch vor der Hasen-adaptierten Myxomavirus-Variante schützt (3).

Die StIKo Vet weist daher nochmal daraufhin, dass Kaninchen zu jeder Zeit ausreichend gegen Myxomatose und RHD geschützt sein sollten. Die Impfung sollte aufgrund des neuen Wildtierreservoirs nicht nur auf die Gegenden beschränkt werden, in denen die Myxomatose bislang regelmäßig zum Ausbruch gekommen ist.       

 

Weiterführende Literatur:

1.       Abade Dos Santos FA, Carvalho CL, Pinto A, Rai R, Monteiro M, Carvalho P, Mendonca P, Peleteiro MC, Parra F, Duarte MD. Detection of recombinant Hare Myxoma Virus in wild rabbits (Oryctolagus cuniculus algirus). Viruses. 2020. https://doi.org/10.3390/v12101127. 

2.       Agueda-Pinto A, Lemos de Matos A, Abrantes M, Kraberger S, Risalde MA, Gortazar C, McFadden G, Varsani A, Esteves PJ. Genetic Characterization of a Recombinant Myxoma Virus in the Iberian Hare (Lepus granatensis). Viruses. 2019. https://doi.org/10.3390/v11060530. 

3.       Abade Dos Santos FA, Carvalho CL, Valente P, Armes H, Reemers SS, Peleteiro MC, Calonge Sanz I, Dalton KP, Parra F, Duarte MD. Evaluation of Commercial Myxomatosis Vaccines against Recombinant Myxoma Virus (ha-MYXV) in Iberian Hare and Wild Rabbit. Vaccines (Basel). 2022. https://doi.org/10.3390/vaccines10030356. 

An Myxomatose erkranktes Zwergkaninchen

Quelle: Jessica Link