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Impftabelle

C. Rinder

C. 1 Milchkühe

Blauzungenkrankheit

Eine Impfung gegen Blauzungenkrankheit ist nur nach behördlicher Genehmigung in Abhängigkeit von einer Risikoeinschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts möglich. Derzeit gibt es in Frankreich und Italien BTV-Ausbrüche basierend auf den Serotypen 8 und 4. Die Wahrscheinlichkeit, dass BTV –insbesondere BTV-8– nach Deutschland gelangt, wird als sehr hoch eingeschätzt. Daher hat die StIKo Vet in einer im Dezember 2016 aktualisierten Stellungnahme empfohlen, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-4 und 8 zu immunisieren.

Bovine Herpesvirus-Infektionen

Deutschland ist amtlich frei von Bovinem Herpesvirus Typ 1. Die Impfung ist mittlerweile in allen Bundesländern grundsätzlich verboten.

Bovine Virusdiarrhoe

Ziel der Impfung gegen das Virus der bovinen Virusdiarrhoe (BVDV) ist in erster Linie die Verhinderung der intrauterinen Infektion des Fetus mit einem nicht-zytopathogenen BVDV, um die Entstehung von persistent infizierten Kälbern (sog. PI-Tieren oder Virämikern) oder auch das Umrindern bzw. Aborte und Totgeburten zu verhindern. Damit keine PI-Tiere entstehen können, müssen die Rinder vor der Belegung eine abgeschlossene Grundimmunisierung erhalten haben. Von den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen vermitteln die Lebendimpfstoffe erfahrungsgemäß einen deutlich belastbareren und länger anhaltenden Schutz als adjuvantierte Inaktivatimpfstoffe. Mit fortschreitender Tilgung des Virus aus den deutschen Rinderbeständen wäre ein Verzicht auf eine Impfung in gut geführten, geschlossenen Beständen mit strengen Biosicherheitsmaßnahmen und einer konsequenten Überprüfung der Zukäufe zunehmend vertretbar. Auch gibt es Überlegungen, die Impfung im Zuge der Umstellung der BVD-Überwachung von der Ohrstanzenbeprobung auf die milchserologische Diagnostik gesetzlich zu reglementieren. Allerdings wird BVDV nicht in allen Nachbarländern bekämpft und auch in Deutschland treten noch PI-Tiere auf. Die Gefahr eines Eintrages ist daher nach wie vor nicht zu vernachlässigen. Um in der Population eine gewisse Grundimmunität aufrecht zu erhalten, scheint es bis auf Weiteres geraten, Nachzuchttiere rechtzeitig vor der ersten Belegung zumindest grundzuimmunisieren. Es ist allerdings zu beachten, dass eine Überwachung des BVD-Status durch die serologische Einzeltieruntersuchung im sogenannten „Jungtierfenster“ nur möglich ist, wenn die Tiere nach Abbau der kolostralen Antikörper nach ca. 6 Monaten und vor der ersten Impfung untersucht werden. Um diese Option nutzen zu können, sollten die Nachzuchttiere also erst ab 12 Monaten geimpft werden. Wird in einer ungeimpften, zuvor BVDV-freien Herde ein persistent- oder transient infiziertes Tier ermittelt, ist im Verlauf des darauffolgenden Jahres wieder mit dem Auftreten von PI-Tieren zu rechnen. Durch eine Impfung aller Tiere lässt sich die Zirkulation des Virus innerhalb des Bestandes verkürzen und das Risiko der Weiterverbreitung in andere Bestände reduzieren. Bei gesunden, immunkompetenten Tieren verläuft die Infektion in der Regel selbstlimitierend. Einen Sonderfall stellen dagegen hochvirulente BVD-Stämme dar, die nach horizontaler Übertragung seuchenhaft zu schweren hämorrhagischen Verläufen mit teilweise hoher Mortalität führen können. In der Vergangenheit gehörten die meisten dieser hochvirulenten Stämme der Spezies BVDV-2 an. Bei derartigen regionalen Ausbrüchen ist dringend zu einer Impfung zu raten. Es steht ein bivalenter Lebendimpfstoff zur Verfügung, der sowohl eine BVDV-1 als auch eine BVDV-2 Komponente enthält. Da die Immunität drei Wochen nach der einmaligen Grundimmunisierung einsetzt, eignet sich dieser Impfstoff auch zum Einsatz während eines akuten, regionalen Seuchen­geschehens.

Bronchopneumonie

Die Enzootische Bronchopneumonie ist vorwiegend eine Kälber- und Jungtiererkrankung, die den Faktorenkrankheiten zuzuordnen ist. In Milcherzeugerbetrieben, in denen Probleme mit dem Erkrankungskomplex aufgetreten sind, kann es sehr sinnvoll sein, Kälber und Jungrinder im Alter bis zu einem Jahr mit einem der Kombinationsimpfstoffe zu immunisieren. In betroffenen Betrieben sollte ggf. auf eine Impfung zugekaufter Tiere geachtet werden. Es stehen Impfstoffe zur Verfügung, die nur BRSV- und PI3V-Komponenten enthalten. Da diese Viren eine entscheidende Vorschädigung der Schleimhäute des Respirationstraktes verursachen und damit bakteriellen Sekundärkeimen den Weg bereiten, kann durch die Verwendung dieser Impfstoffe ein Großteil der Problematik verhindert werden. Die intranasale Applikation von Lebendimpfstoffen hat den Vorteil, dass eine einmalige Grundimmunisierung ausreicht. Die übrigen Impfstoffe werden zweimal im Abstand von 3-5 Wochen verabreicht. Für Betriebe, in denen Mannheimia-Spezies nachweislich ein Problem darstellen, stehen zusätzlich Kombinations- oder Einzelimpfstoffe zur Verfügung, die Mannheimia haemolytica-Komponenten enthalten.

Clostridiosen

In Milcherzeugerbetrieben spielen klassische Clostridieninfektionen in der Regel eine untergeordnete Rolle. Allerdings wird seit einigen Jahren ein neuartiges Krankheitsbild beschrieben, das Haemorrhagic Bowel Syndrome. Unter Bildung großer Blutkoagula kommt es hierbei zum Dünndarm-Ileus. Da ätiologisch auch eine Beteiligung toxinbildender Cl.-perfringens-Toxovare diskutiert wird, kann in betroffenen Beständen eine Impfung mit einem der polyvalenten Kombinations-Impfstoffe die Problematik möglicherweise reduzieren.

In den letzten zwanzig Jahren traten Fälle von Rauschbrand sporadisch im Alpenvorland, in Schleswig-Holstein und entlang der niedersächsischen Nordseeküste auf. In endemischen Gebieten wird die Impfung gegen Rauschbrand empfohlen.

Coxiellose

Coxiella burnetii kann Aborte und wirtschaftlich bedeutsame Reproduktionsstörungen in Milcherzeugerbetrieben verursachen. Zudem ist aufgrund der Übertragungsgefahr auf den Menschen vermehrtes Augenmerk auf die Bekämpfung der Coxiellose zu richten. Bei klinischem Verdacht auf Coxiellose (z.B. durch gehäufte Aborte) und generell in Betrieben mit erhöhtem Publikumsverkehr (z.B. Ferien auf dem Bauernhof, Besuche von Kindergärten, Beschicken von Märkten etc.) sollte entsprechend den Empfehlungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für hygienische Anforderungen an das Halten von Wiederkäuern, kurz Hygieneleitlinie, regelmäßig der Coxiellose-Status überprüft und eine Risikobewertung vorgenommen werden. Im Anhang der Hygieneleitlinie sind Maßnahmen beschrieben, die bei einer entsprechenden Risikolage, bzw. während eines akuten Infektionsgeschehens nach Erregernachweis zu ergreifen sind. Die Impfung gegen Coxiellose kann sowohl prophylaktisch vor einem Erregereintrag sowie auch als Teil einer langfristig angelegten Bekämpfungsstrategie in infizierten Beständen eingesetzt werden. In Europa ist ein Impfstoff auf Basis eines Ganzzellantigens zugelassen. Die Impfung schützt nicht sicher vor Infektion, sie führt aber zu einer deutlichen Reduktion der Erregerausscheidung. Die Impfung wirkt am effizientesten bei nicht-infizierten, nicht-tragenden Tieren. Dennoch wird empfohlen, zunächst den gesamten Kuhbestand zu immunisieren. In Betrieben, in denen Coxiellen nachgewiesen wurden, ist besonderes Augenmerk auf eine Immunisierung von Färsen und entsprechende Wiederholungsimpfungen vor dem erneuten Belegen zu richten. Da etablierte chronische Infektionen durch die Impfung i.d.R. nicht mehr zu beeinflussen sind, sollten dauerhafte Ausscheider aus dem Bestand entfernt werden.

Insbesondere bei wiederholt geimpften Kühen können verstärkte Nebenwirkungen (z.B. lokale Schwellungen, Fieber, kurzfristiger Leistungsrückgang und Freßunlust) auftreten. Daher sollte die Entscheidung über eine Wiederholungsimpfung bei zweit- und mehrkalbenden Kühen von einem Coxiellen-Monitoring und von der individuellen Verträglichkeit des Impfstoffes abhängig gemacht werden.

Leptospirose

Die Leptospirose spielt in deutschen Milcherzeugerbetrieben eine untergeordnete Rolle. Im Bedarfsfall ist ein Impfstoff gegen Leptospira borgpetersenii Serovar Hardjo in Deutschland zugelassen.

Mastitis

Derzeit ist in Deutschland ein Mastitis-Impfstoff zugelassen, der Ganzzellantigene von Staphylococcus aureus und Escherichia coli enthält. Laut Indikation soll die Impfung das Auftreten subklinischer Mastitiden und die klinische Ausprägung von klinischen Mastitiden, die durch S. aureus, E. coli und coliforme Bakterien oder koagulasenegative Staphylokokken verursacht sind, reduzieren. Nach erfolgtem Erregernachweis kann die Bestandssanierung auf Basis einer Optimierung der Haltung, der Fütterung und des Hygienemanagements durch die Impfung begleitet werden.

Maul- und Klauenseuche

Es gilt ein generelles Impfverbot. Im Seuchenfall kann allerdings die zuständige Behörde eine Impfung in Form einer Not- (Suppressivmpfung mit dem Ziel die geimpften Tiere nach diener bestimmten Zeit nach der Imfung zu töten) oder Schutzimpfung (Impfung mit dem Ziel, die geimpften Tiere weiter zu nutzen) anordnen.

Neugeborenen-Diarrhoe

Die Neugeborenen-Diarrhoe ist ein multifaktorielles Geschehen, an dem unter anderem Rota- und Coronaviren sowie verschiedene E.-coli-Stämme beteiligt sind. Um das Krankheitsbild zu verhindern, sind ein optimales Hygienemanagement und eine gute Versorgung der Kälber mit maternalen Antikörpern unerläßlich. Es steht eine Reihe von Muttertiervakzinen zur Verfügung, um pathogen-spezifische, maternale Antikörper zu induzieren. Damit die Antikörpertiter ein peripartales Maximum erreichen, sollten die Kühe nach einer entsprechenden Grundimmunisierung jeweils zum Zeitpunkt des Trockenstellens zur Wiederholungsimpfung kommen.

Salmonellose

Derzeit sind in Deutschland zwei Lebendimpfstoffe auf Basis der Salmonella-Serovare Dublin, bzw. Typhimurium und ein adjuvantierter Inaktivatimpfstoff auf Basis von Salmonella Typhimurium zur Anwendung beim Rind zugelassen. Durch eine Impfung lässt sich die klinische Ausprägung einer Salmonellose und die Mortalität reduzieren. Auch kommt es zu einer verringerten Erregerausscheidung. Eine Erregerfreiheit, insbesondere bei persistent-infizierten Tieren, lässt sich durch die Impfung nicht erreichen. Die Lebendimpfstoffe induzieren eine belastbarere Immunität im Vergleich zu Inaktivatimpfstoffen. Aufgrund der besonderen Vormagensituation können die oral anzuwendenden Lebendimpfstoffen allerdings nur an Kälber bis zu einem Alter von sechs Wochen verabreicht werden.

Im Ausbruchsfall ist die Infektionsquelle zu ermitteln und erkrankte, infizierte Tiere sind ab-, bzw. auszusondern. Zur Vermeidung wirtschaftlicher Verluste ist der Einsatz der Impfung als begleitende Maßnahme sinnvoll. Alle Tiere eines Bestandes sollten geimpft werden.

Schmallenbergvirus-Infektionen

Das Schmallenbergvirus wird nach einem fulminanten ersten Seuchenzug in den Jahren 2012-2013 derzeit in Deutschland nur noch vereinzelt nachgewiesen. Möglicherweise hat sich aufgrund der natürlichen Durchseuchung ein gewisser Herdenschutz ausgebildet. Es ist ein adjuvantierter Inaktivatimpfstoff zugelassen. Sofern geimpft wird, sollte die Grundimmunisierung unbedingt vor der Belegung abgeschlossen sein. Die Impfentscheidung sollte der regionalen Seuchenlage entsprechend getroffen werden.

Tollwut

Die Tollwut hat in deutschen Milcherzeugerbetrieben derzeit keine Relevanz.

Trichophytie

Derzeit ist eine Reihe von Impfstoffen gegen Trichophytie zugelassen. Zur therapeutischen Anwendung in betroffenen Beständen wird empfohlen, die gesamte Herde zweimal im Abstand von 10-14 Tagen zu impfen. Wiederholungsimpfungen und Nachimmunisierungen von Zukäufen oder Nachzucht werden nach Maßgabe des Zulassungsinhabers empfohlen. Die Trichophytie ist eine Zoonose. Eine Impfung mit dem Ziel der Bestandssanierung verspricht nur dann Erfolg, wenn die Impfmaßnahmen konsequent und längerfristig durchgeführt und durch entsprechende Hygienemaßnahmen begleitet werden.