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Impftabelle

A. Kleine Haustiere

A. 1 Hunde

*    Die konsequente Impfung gegen Hepatitis contagiosa canis (HCC) hat dazu geführt, dass diese Erkrankung in der westeuropäischen Hundepopulation nur noch sehr selten beobachtet wird.

**  Nur Tollwut geimpfte Heimtiere dürfen innergemeinschaftlich verbracht werden. Zudem sind gegen Tollwut geimpfte Tiere entsprechend der Tollwutverordnung bei einem Kontakt mit seuchenverdächtigen Tieren bessergestellt.

Jungtierimpfungen

Als Grundimmunisierung der Welpen gelten alle Impfungen in den ersten beiden Lebensjahren. Folgende Impfungen werden für das entsprechende Lebensalter empfohlen:

8 Lebenswochen:   Parvovirose, Staupe, Leptospirose, HCC
12 Lebenswochen:   Parvovirose, Staupe, Leptospirose, HCC, Tollwut
16 Lebenswochen:   Parvovirose, Staupe, HCC
15 Lebensmonaten:   Parvovirose, Staupe, Leptospirose, HCC, ggf. Tollwut

Bordetella-Infektionen

Zurzeit sind Lebendimpfstoffe zur intranasalen Impfung gegen Bordetella bronchiseptica sowohl als monovalente Impfstoffe als auch in Kombination mit caninem Parainfluenzavirus (CPiV) zugelassen. Die nachgewiesene Wirksamkeit dieser Impfstoffe besteht in einer Reduktion der klinischen Symptomatik. Die Erstimpfung ist je nach Impfstoff ab einem Lebensalter von 3 bzw. 8 Wochen möglich. Die Impfung erfolgt mindestens 1 Woche vor einer zu erwartenden Exposition. Die Impfung findet bei Hunden in Phasen mit erhöhter Infektionsgefahr Anwendung (viel Kontakt zu Artgenossen z. B. in Welpengruppen, Tierpensionen, Tierheimen, auf dem Hundeplatz etc. oder bei Kontakt zu anderen für B. bronchiseptica empfänglichen Tierspezies wie Katzen). Während der zu erwartende Schutz gegen B. bonchiseptica schon ca. 72 Stunden nach der Impfung eintritt, ist der Beginn der Immunität gegen CPiV 3 Wochen nach der Impfung zu erwarten. Geimpfte Tiere können den B. bronchiseptica-Impfstamm über mehrere Wochen und bei Verwendung von Kombinationsimpfstoff auch den CPiV-Impfstamm über einige Tage post vacc. ausscheiden (ohne klinische Relevanz).

Dermatophytosen

Zurzeit sind inaktivierte Impfstoffe zugelassen, die entweder Mikrokonidien verschiedener Trichophyton- und Microsporum-Pilzstämme oder ausschließlich Microsporum canis enthalten. Laut Herstellerangaben kommt es bei prophylaktischer Anwendung zu einer Reduktion der durch die entsprechenden Pilzarten verursachten klinischen Symptome. Bei therapeutischer Anwendung kann die Abheilung klinisch sichtbarer Hautveränderungen beschleunigt werden. Das Mindestimpfalter variiert zwischen 6 und 12 Wochen (s. Gebrauchsinformationen). Die Dauer der Immunität variiert zwischen 9 Monaten und einem Jahr nach einer zweimaligen Impfung im Abstand von 2 – 3 Wochen an wechselnden Körperseiten. Tiere, die sich zum Zeitpunkt der Impfung im Inkubationsstadium befinden, können erkranken. Die Hautveränderungen heilen jedoch innerhalb von 2 – 4 Wochen nach der zweiten Impfung ab.

Herpesvirus Infektionen

Die Seroprävalenz der caninen Herpesvirusinfektion liegt in deutschen Hundezuchten bei 20 – 30 %. Sie korreliert in Hundezuchten mit dem so genannten „Welpensterben“. Der verfügbare Subunit-Impfstoff gegen das Canine Herpesvirus (CHV-1) wird entweder während der Läufigkeit oder 7 – 10 Tage nach dem angenommenen Decktermin verabreicht, gefolgt von einer zweiten Impfung 1 – 2 Wochen vor dem zu erwartenden Geburtstermin. Mortalität sowie klinische Erkrankungen durch CHV-1 werden bei den Welpen geimpfter oder seropositiver Mütter in den ersten Lebenstagen verhindert.

Hepatitis contagiosa canis

Die konsequente Impfung gegen Hepatitis contagiosa canis (HCC), verursacht durch canines Adenovirus Typ 1 (CAV-1), hat dazu geführt, dass diese Erkrankung in der westeuropäischen Hundepopulation nur noch sehr selten beobachtet wird. Eine Umfrage in Untersuchungslaboren ergab, dass der Erreger nur sporadisch nachgewiesen werden konnte. Die auf dem Markt verfügbaren Impfstoffe enthalten als Impfvirus CAV-2, welches aufgrund seiner antigenetischen Verwandtschaft eine Kreuzimmunität gegenüber CAV-1 induziert. Eine ausreichende Schutzwirkung gegen HCC ist zu erwarten. CAV-2 selbst ist als Krankheitserreger hauptsächlich dem Zwingerhustenkomplex zuzuordnen. CAV-2 kann post vacc. ausgeschieden und auch auf nicht geimpfte Tiere übertragen werden, allerdings ohne klinische Veränderungen zu verursachen.

Leptospirose

Gegen Leptospiren stehen neben den herkömmlichen Impfstoffen, die Antigene der Serogruppen Canicola und Icterohaemorrhagiae enthalten, mittlerweile tri- und tetravalente Impfstoffe zur Verfügung, die auch Antigene der Serogruppen Australis (Bratislava) und Grippotyphosa enthalten. Am häufigsten werden derzeit Infektionen mit den Serovaren Bratislava, Grippotyphosa und Pomona beobachtet. Daher wird der Einsatz von neuen Impfstoffen, die zusätzliche Serovare enthalten, empfohlen. Auch Hunde, die eine Infektion durchstanden haben, sollten nach der Genesung entsprechend der Herstellerangaben geimpft werden, da die Immunantwort gegen Leptospiren weitestgehend Serotyp-spezifisch und auch nach einer Infektion nicht lang andauernd ist. Die Grundimmunisierung besteht aus einer zweimaligen Anwendung und ist jährlich zu wiederholen.

Leishmaniose

Es sind in Deutschland mehrere Impfstoffe gegen Leishmania infantum, einen durch Sandmücken übertragenen Einzeller,für Hunde zugelassen. Eine Impfindikation ist aber nur für Hunde gegeben, die in endemischen Regionen leben und ggf. für Hunde, die in solche Regionen verbracht werden sollen. Durch die Immunisierung ist das Risiko, nach Exposition klinische Symptome zu entwickeln, reduziert. Eine optimale Sandmückenprophylaxe ist auch bei geimpften Tieren unverzichtbar. Die Tiere können ab einem Alter von 6 Monaten grundimmunisiert werden. Vom Hersteller wird eine jährliche Wiederholungsimpfung empfohlen.

Lyme-Borreliose

Die Lyme-Borreliose wird durch Borrelia burgdorferi und verwandte Arten verursacht. Die Übertragung erfolgt durch Zeckenbiß. Überträger sind vor allem Zecken der Gattung Ixodes. Die verfügbaren Inaktivat-Impfstoffe enthalten derzeit Antigenaufbereitungen entweder von einem in Europa isolierten Stamm von der Art Borrelia burgdorferi sensu stricto oder ein Gemisch aus mehreren Borrelienarten. Impfstoffe gegen Borrelien basieren im Grunde auf der Bindung der impfinduzierten Immunglobuline an OspA-Antigen auf der Oberfläche der Bakterien und der daraus resultierenden Immobilisierung der Spirochäten in der Zecke. Antikörper gegen das OspA der Borrelien werden während des Saugaktes von der Zecke aufgenommen, binden im Darm der Zecke an dort vorhandene Borrelien, die OspA exprimieren. Dort verhindern sie die nachfolgende Wanderung der Spirochäten zur Speicheldrüse der Zecke und entsprechend die Abgabe in die Haut des Hundes. Hohe Impfantikörperspiegel im Hund sind deshalb Grundvoraussetzung, damit ein protektiver Effekt in der Zecke erzielt werden kann. Antikörper gegen OspA zeigen eine geringe Kreuzreaktivität zwischen den einzelnen Borrelienarten und verleihen keinen Schutz gegen heterologe Borrelienspezies. Eine bereits etablierte Infektion des Hundes wird durch die Impfung nicht beeinflusst und kann zu diesem Zeitpunkt nur die Infektion mit zusätzlichen Erregern verhindern. Hunde, von denen anzunehmen ist, dass sie Kontakt zu Zecken hatten, sollten vor der Impfung mittels Antikörpernachweis auf eine eventuelle Infektion hin untersucht werden. Die Erstimpfung erfolgt ab einem Alter von 12 Wochen, die zweite Impfung 3–5 Wochen später, die dritte Impfung wird 6 Monate nach Beginn der Grundimmunisierung gegeben, und die vierte Impfung 1 Jahr nach Beginn der Grundimmunisierung. Wiederholungsimpfungen erfolgen jährlich vor dem Höhepunkt der Zeckenaktivität im März/April.

Parainfluenza

Impfstoffe gegen das Canine Parainfluenzavirus (CPiV) sind sowohl in Kombination mit Core-Komponenten als auch als monovalente Impfstoffe zur subkutanen Applikation oder in Kombination mit B. bronchiseptica zur intranasalen Applikation erhältlich. Die nachgewiesene Wirksamkeit besteht in einer Reduktion der durch CPiV verursachten klinischen Symptomatik und Virusausscheidung. Die Erstimpfung ist ab einem Alter von 8 Wochen möglich, gefolgt von einer zweiten Impfung 3 – 4 Wochen später. Die Impfung sollte 4 Wochen vor einer zu erwartenden Exposition erfolgen. Die Impfung findet bei Hunden in Phasen mit erhöhter Infektionsgefahr Anwendung (viel Kontakt zu Artgenossen z. B. in Welpengruppen, Tierpensionen, Tierheimen, auf dem Hundeplatz). Geimpfte Tiere können den CPiV-Impfstamm nach intranasaler Applikation über einige Tage post vacc. ausscheiden ohne zu erkranken.

Parvovirose

Gegen die Parvovirose, verursacht durch das canine Parvovirus (CPV), gibt es eine Reihe von Impfstoffen, die wirksam vor einer Infektion schützen. Ein wichtiges Problem bei der Grundimmunisierung gegen die Parvovirose stellt der Zeitraum in den ersten Lebenswochen der Welpen dar, in der die Welpen die maternalen Antikörper so weit abgebaut haben, dass sie ihn nicht mehr vor einer Infektion schützen können und in der sie selber noch keine aktive Immunität aufgebaut haben. Schwierig ist vor allem, dass geringe Restmengen an maternalen Antikörpern trotzdem noch die Impfung stören können. Der richtige Zeitpunkt der Impfung hängt also entscheidend von der Menge der mit der Muttermilch aufgenommenen Antikörper ab, und eine Immunantwort der Welpen nach Impfung mit herkömmlichen Vakzinen ist praktisch erst mit dem Verschwinden der maternalen Antikörper möglich. Im Idealfall ließe sich also ein individuelles Impfschema erstellen, nachdem der optimale Impfzeitpunkt für den Welpen anhand einer Bestimmung des Titers der maternalen Antikörper errechnet wurde. Dies ist jedoch in den seltensten Fällen praktikabel, sodass hauptsächlich das empirische Impfschema bestehend aus mehreren Immunisierungen während der ersten Lebenswochen angewendet wird. Zu späteren Zeitpunkten, wenn maternale Antikörper sicher nicht mehr vorhanden sind, reicht eine Gabe als Grundimmunisierung aus. Eine erfolgreiche Impfung induziert einen langjährigen Schutz. Die Parvovirose ist in Deutschland durch die regelmäßige Impfung gut kontrolliert. In Zuchten, in denen nicht regelmäßig geimpft wird (Massenzuchten in Osteuropa), kommen Parvovirusinfektionen dagegen häufig vor. Hunde sollten jederzeit einen Impfschutz aufweisen, bei hoher zu erwartender Exposition (Reisen) ist eine Wiederholungsimpfung angezeigt. Zuchthündinnen sollen hohe maternale Antikörpertiter an die Welpen weitergeben und verlangen daher eine optimierte Immunität, gegebenenfalls durch Wiederholungsimpfungen vor dem Belegen.

Es besteht die Möglichkeit, Parvovirusantikörper in verschiedenen Testsystemen zu bestimmen. Dies kann gegebenenfalls zur Entscheidung über die Notwendigkeit einer Wiederholungsimpfung herangezogen werden.

Staupe

Gegen die Staupevirusinfektion ist eine Reihe von gut wirksamen Lebendimpfstoffen verfügbar. Die Problematik, dass Welpen in einer bestimmten kritischen Phase keinen maternalen Schutz mehr aufweisen aber noch keine eigene Immunität aufbauen können, gilt für die Staupe wie für das canine Parvovirus (siehe dort). Aufgrund zurückgehender Impfraten scheint sich der Populationsschutz an der Grenze der Belastbarkeit zu befinden, worauf kleinere Epidemien in Großstädten immer wieder hindeuten. In Regionen, in denen die Impfung wenig konsequent durchgeführt wird, stellt die Staupe ein Problem dar. Hunde, die dorthin mitgenommen werden, müssen geschützt sein. Ein guter Schutz ist ferner für Jagdhunde erforderlich, da sie ein hohes Expositionsrisiko durch Kontakt mit infizierten Wildtieren haben. Zuchthündinnen, die hohe maternale Antikörpertiter an die Welpen abgeben sollen, müssen ebenfalls gut vakziniert sein. Es besteht die Möglichkeit, Staupevirusantikörper in verschiedenen Testsystemen zu bestimmen. Dies kann gegebenenfalls zur Entscheidung über die Notwendigkeit einer Wiederholungsimpfung herangezogen werden.

Tollwut

Obwohl die terrestrische Tollwut in Deutschland getilgt ist, wird die Impfung weiterhin empfohlen, da gegen Tollwut geimpfte Tiere nach der Tollwutverordnung bei einem Kontakt mit ansteckungs- oder seuchenverdächtigen Tieren bessergestellt sind. Zudem dürfen nur Tollwut geimpfte Heimtiere innergemeinschaftlich verbracht werden. Die Impfung entsprechend der Herstellerangaben ab einem Lebensalter von 12 Wochen ist für die Besserstellung gemäß Tollwutverordnung ausreichend. Für Reisen in bestimmte Endemiegebiete wird der Nachweis eines Antikörpertiters von ≥ 0,5 IE/ ml gefordert. Eine Grundimmunisierung bestehend aus drei Impfungen im Alter von 12 und 16 Wochen sowie 15 Lebensmonaten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Tiere einen derartigen Antikörpertiter erreichen. Ein derartiges Impfschema geht aber über die Anforderungen der Tollwutverordnung hinaus.