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F. 1 Forellen

Link

In Deutschland gibt es nur wenige, zur Anwendung bei Fischen zugelassene Impfstoffe. Diese sind unter folgendem link auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Institutes aufgeführt (www.pei.de). Eine wesentlich umfangreichere Liste aller Fischimpfstoffe, die im innereuropäischen Ausland zur Anwendung an Fischen zugelassen sind, findet sich auf der Homepage des Zusammenschlusses der Europäischen Zulassungsbehörden, der Heads of Medicines Agencies (HMA) (www.hma.eu). Wenn für eine Indikation in Deutschland keine Impfstoffe verfügbar oder zugelassen sind, können nach Maßgabe des §11 (6) des Tiergesundheitsgesetzes im Ausland zugelassene Impfstoffe eingesetzt werden.

Flavobakteriose

Infektionen mit Gram-negativen Flavobakterien, die Flavobakteriosen, stellen weltweit und auch in Deutschland in Salmonidenhaltungen, insbesondere bei der Regenbogenforelle, in Form von verschiedenen Krankheitsbildern ein großes Problem dar. Flavobacterium psychrophilum ruft bei Brütlingen das sogenannte Rainbow Trout Fry Syndrom (RTFS) hervor, welches durch Anorexie, Anämie, Milz-/bzw. Nierenschwellungen und teils hohe Mortalität gekennzeichnet ist. Ebenfalls durch F. psychrophilum versursacht, kommt während niedriger Wasser-temperaturen (unter 10°C) bei Jungfischen die sog. Kaltwasserkrankheit (Bacterial Cold Water Disease, BCWD) vor. Hautläsionen, teils tief in die Muskulatur reichende Nekrosen sowie hochgradige Flossenschäden stehen hierbei im Vordergrund, mittelfristig kommt es zu teils erheblichen Verlusten. Mischinfektionen mit F. columnare können bei höheren Temperaturen (20–25°C) zur Columnariskrankheit führen, die durch ulzerative Veränderungen der äußeren Epithelien einschließlich der Kiemen gekennzeichnet ist. F. branchiophilum führt vor allem zur Bakteriellen Kiemenkrankheit. Fast immer ist die Flavobakteriose Ausdruck ungünstiger Umwelt-/ Haltungsbedingungen oder von Stress. Eine antibiotische Therapie der Flavobakteriose ist daher meist nur erfolgreich bei gleichzeitiger Optimierung der Hygiene- und Haltungsbedingungen (u.a. Desinfektion des Zulaufwassers, Reduktion der Besatzdichte, Salzbäder und Zufüttern von Immunstimulantien). Der Integrität der äußeren Schleimhäute kommt eine wichtige Rolle bei der Besiedlung durch Flavobakterien zu. Ist diese gestört, kann es zu tiefen ulzerativen Veränderungen bis in die unteren Muskelschichten kommen, die jedoch nicht immer systemische Infektionen nach sich ziehen. Gesunde Fische können sich über Trägerfische, kontaminiertes Wasser und Sedimente bzw. Biofilme an Beckenwänden infizieren. Derzeit ist nur ein in Chile lizensierter bivalenter Impfstoff verfügbar. Weiterhin kommen bestandsspezifische Impfstoffe zum Einsatz, die jedoch angesichts eines noch nicht vollentwickelten Immunsystems bei Brütlingen sowie bei Temperatur- und Umweltbedingungen, unter denen eine optimale Immunabwehr nicht gewährleistet ist, von zweifelhafter Wirksamkeit sind.  

Furunkulose

Erreger der Furunkulose ist das Gram-negative unbewegliche Bakterium Aeromonas salmonicida subsp. salmonicida. Die Furunkulose ist eine komplexe Erkankung lachsartiger Fische, die abhängig von Alter und Kondition der Fische, der Fischspezies und den Umweltbedingungen einen unterschiedlichen Verlauf nimmt. Der Name beruht auf der Entwicklung von eitrigen Geschwüren („Furunkel“) oder beulenartigen Veränderungen in Haut und Muskulatur, die bei älteren Fischen bei subakutem oder chronischem Verlauf der Erkrankung auftreten. Infizierte Fische sind außerdem durch Dunkelfärbung, Lethargie, Appetitlosigkeit und Blutungen an den Flossenbasen gekennzeichnet. Bei juvenilen Salmoniden verläuft die Erkrankung oftmals akut, verbunden mit Septikämie, nekrotischen Läsionen in der Haut und Blutungen in inneren Organen. Akut erkrankte Fische verenden oft ohne erkennbare klinische Symptome, lediglich verbunden mit einer Dunkelverfärbung der Haut, Appetitlosigkeit und Lethargie. Zudem können subklinisch infizierte Fische das pathogene Bakterium tragen. Die Furunkulose der Salmoniden ist weltweit verbreitet und wird durch Kontakt mit infizierten Fischen oder kontaminiertem Wasser sowie Gerätschaften übertragen, wobei Transport, Handling, hohe Fischdichten und bei Lachsen der Transfer in Seewasser den Ausbruch der Erkrankung begünstigen. Neben der typischen, durch A. salmonicida subsp. salmonicida verursachten Furunkulose können weitere, „atypische“ A. salmonicida-Isolate aus verschiedenen Subspezies Ursache systemischer und ulzerativer Erkrankungen sowohl bei Salmoniden als auch bei nicht-salmoniden Fischspezies sein. Zur Behandlung der Furunkulose werden Antibiotika eingesetzt. International sind polyvalente Impfstoffe verfügbar und in Deutschland kommen bestandsspezifische Impfstoffe zum Einsatz.  

Ichthyophthiriose

Der einzellige Parasit Ichthyophthirius multifiliis ist der Erreger der Weißpünktchen-Krankheit bei verschiedenen Süßwasserfischen und hat in der Aquakultur und im Zierfischbereich eine große Bedeutung. Der Parasit infiziert die Haut und die Kiemen von Fischen aus allen Altersgruppen. 
Die Infektion führt bei betroffenen Fischen zu Sauerstoffmangel und einer Störung des Salzhaushaltes. Ausbrüche treten vermehrt bei erhöhten Wassertemperaturen, bei Jungfischen nach dem Einsetzen in Teiche, die mit Oberflächenwasser versorgt werden, oder in Hälterungsanlagen von Fischen auf. Therapeutika zur Behandlung der Infektion sind für die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren nicht zugelassen. Um den Ausbruch von Erkrankungen zu verhindern, können Maßnahmen, wie strikte Hygiene, Verhinderung des Erreger-Eintrags durch kontaminiertes Wasser und Gerätschaften oder infizierte Fische eingesetzt werden. Trotz intensiver Forschung steht derzeit keine Vakzine zur Verfügung. Prinzipiell wird aber nach Anwendung bestandsspezifischer Impfstoffe ein gewisser Schutz beschrieben. 
 

Infektiöse Hämatopoetische Nekrose

Die Erreger der Infektiösen Hämatopoetischen Nekrose (IHN) und der Viralen Hämorrhagischen Septikämie (VHS) sind relativ eng verwandt. In beiden Fällen handelt es sich um Rhabdoviren. Beide Erkrankungen sind gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2018/1882 als Seuchen der Kategorie C gelistet. IHN ist in erster Linie eine Infektionskrankheit der Lachsartigen (Salmoniden), wobei in Deutschland vor allem Regenbogenforellen, insbesondere in der juvenilen Phase betroffen sind. Die Infektionen gehen einher mit Blutungen, Lethargie, Dunkelfärbung, Exophthalmus, Anämie, Aszites und Inappetenz. Der Erreger, das IHN-Virus (IHNV), wird nicht vertikal übertragen, haftet aber an Eiern und Sperma an. Die verschiedenen Virusstämme können in ihrer Virulenz variieren, was zusammen mit entwicklungsbedingten und individuellen Unterschieden in der Empfänglichkeit zu mehr oder weniger hohen Morbiditäten und Mortalitäten führen kann. Virusreservoire sind infizierte Fische aus Aquakultur und Wildgewässern. Klinische Erkrankungen treten gehäuft zwischen 8 - 15°C auf. Die Bekämpfung der IHN beruht auf der Vermeidung des Viruseintrages in Aquakulturbetriebe und der Umsetzung solider Hygienepraktiken und Kontrollrichtlinien. Bislang war die Impfung in Schutzzonen und seuchenfreien Kompartimenten gemäß Fischseuchenverordnung grundsätzlich verboten. Nach Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2016/429 ist die Impfung gegen Seuchen der Kategorie C nicht mehr grundsätzlich verboten. Die zuständige Behörde kann Impfungen von Wassertieren, ggf. auch wild lebenden Wassertieren, damit im Rahmen von durch die EU genehmigten Tilgungsprogrammen als eine Bekämpfungsmaßnahme aufnehmen (Art. 54 der Delegierten Verordnung (EU) 2020/689). Derzeit stehen allerdings europaweit keine zugelassenen Impfstoffe gegen die IHN zur Verfügung.

Infektiöse Pankreasnekrose

Der Erreger der Infektiösen Pankreasnekrose (IPN), das IPN-Virus (IPNV, Birnaviridae) ist in deutschen Forellenzuchtbetrieben weit verbreitet. Am häufigsten erkranken Jungfische, die unter intensiven Aufzuchtbedingungen gehalten werden, insbesondere Salmoniden: verschiedene Arten von Forellen, Saiblingen und Lachsen. Erstes Anzeichen eines Ausbruchs bei juvenilen Fischen ist häufig eine plötzliche Zunahme der täglichen Sterblichkeit. Zu den klinischen Symptomen zählen Dunkelfärbung, abdominale Schwellung und unkoordinierte Schwimmbewegungen. IPN tritt häufig im Zusammenspiel mehrerer Faktoren auf, wobei Mortalitäten in Abhängigkeit von Virusstamm, Infektionsdruck und Umweltbedingungen schwanken können. IPNV wird horizontal und vertikal übertragen, weshalb die Desinfektion von befruchteten Eiern eine Virusausbreitung nicht vollständig verhindern kann. Die Bekämpfung der IPN stützt sich auf allgemeine Hygienemaßnahmen, die Vermeidung des Eintrages über befruchtete Eier oder infizierte Jungfische aus infizierten Brutbeständen sowie des Kontaktes mit infizierten Wildfischen und kontaminiertem Wasser. Für die kommerzielle Lachszucht werden im innereuropäischen Ausland multivalente Vakzinen angeboten. In der deutschen Salmonidenzucht spielt die Impfung derzeit eine untergeordnete Rolle. In Norwegen konnte durch QTL-basierte Genotypisierung von befruchteten Lachseiern die Anzahl von IPN-Ausbrüchen zwischen 2009 und 2018 um mehr als 90% gesenkt werden.

Pankreaserkrankung der Lachse

Der Erreger der Pankreaserkrankung der Lachse (PD) und auch der „Schlafkrankheit“ Sleeping Disease (SD) der Regenbogenforellen, das Salmonid Alpha Virus (SAV), wird seit 2008 in Deutschland im Rahmen von Salmonidenverlusten (Regenbogenforellen und Saiblinge) vermehrt nachgewiesen. Hierbei spielt der Süßwasser-Genotyp SAV 2 eine wichtige Rolle. Von der PD und SD betroffen sind Lachse, Regenbogenforellen und Saiblinge verschiedener Altersgruppen. Klinisch auffällig sind verringerte Futteraufnahme, Lethargie (Absinken, „Schlafen“), Schrägschwimmen, Kümmern und plötzliche, teilweise hohe Verluste. Risikofaktoren wie übermäßige Fütterung, Umsetzen/Transport, im Frühjahr ansteigende Wassertemperaturen und Befall mit Ektoparasiten begünstigen den klinischen Ausbruch der Pankreaserkrankung bzw. der Schlafkrankheit. Mangels spezifischer antiviraler Therapie gegen die Pankreasnekrose ist ein optimales Betriebs- und Hygienemanagement einschließlich sorgfältiger Auswahl von SAV-freiem Besatzmaterial ein wichtiges Mittel zur Minimierung der Verluste in betroffenen Salmonidenbeständen. Durch Impfung von Jungtieren (Smolts) kann beim Lachs sowohl die Virusausscheidung als auch die Morbidität und Mortalität reduziert werden. Für die Immunprophylaxe gegen Pankreasnekrose beim Lachs ist seit 2017 ein DNA-Impfstoff innerhalb der EU zugelassen.​​​​​​​

Rotmaulseuche

Die Rotmaulseuche (Enteric Redmouth Disease, ERM) wird von Yersinia ruckeri, einem Gram-negativen Enterobakterium, verursacht. Infektionen mit Y. ruckeri sind weit verbreitet und führen zu teils hohen Verlusten in Forellenzuchten; betroffen sind häufig Regenbogenforellensetzlinge in Bachwasseranlagen, insbesondere in Stresssituationen (z.B. Transport/Handling, jahreszeitlich bedingte Temperaturschwankungen) kommt es zu Krankheitsausbrüchen. Der Erreger ist aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit schwer aus einer infizierten Anlage zu eliminieren.
Überträger der Rotmaulseuche sind infizierte Fische (Carrier), kontaminiertes Wasser, ggf. Prädatoren und Gerätschaften. Das Krankheitsbild entspricht dem einer Sepsis bei Fischen: Futterunlust, Lethargie, Randstehen, Dunkelfärbung, Exophthalmus, manchmal sind Rötungen im After- bzw. Kopfbereich (Name!) sichtbar. Bei Brütlingen oder kleinen Setzlingen können plötzliche Verluste ohne vorangegangene Symptomatik auftreten. Das Sektionsbild ist geprägt von allgemeiner Anämie, Blutungen in Organen sowie einer Enteritis. Y. ruckeri wird mittels kultureller Anzucht nachgewiesen. Eine zielführende Therapie der ERM beinhaltet neben der Gabe von Antibiotika die Stressreduktion durch Optimierung der Hygiene- und Haltungsbedingungen (besonderes Augenmerk liegt auf Wasserqualität, Besatzdichte, während Krankheitsphasen reduzierte, aber hochwertige Fütterung und ggf. Immunstimulantien). Für die Immunprophylaxe stehen in Deutschland zugelassene Ganzzell-Impfstoffe zur Verfügung, die spezifische Immunantworten induzieren. In Verbindung mit o.g. Hygienepraxis und Betriebsmanagement ist die ERM-Impfung in betroffenen Beständen sehr erfolgreich und wird aufgrund der Widerstandskraft von Y. ruckeri gegen äußere Einflüsse für diese Salmonidenbestände empfohlen.

Vibriose

Der Erreger der Vibriose ist das Gram‐negative Bakterium Vibrio (Listonella) anguillarum. Infektionen mit V. anguillarum führen zu hämorrhagischen Septikämien bei verschiedenen Meeres- und Süßwasserfischen, aber auch bei Muscheln und Krebstieren. Betroffen sind Tiere aller Altersgruppen. In Deutschland wurde der Erreger der Vibriose in den letzten Jahren vor allem in Meeresfischen und im Zierfischbereich isoliert. Lediglich zwei der 23 bekannten Serotypen, O1 und O2 (weniger der Serotyp O3) sind mit der Vibriose assoziiert. Ausbrüche werden häufig ab einer Wassertemperatur von 15°C beobachtet, wobei Umweltstress den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflusst. Zur Behandlung der Vibriose werden seit vielen Jahren Antibiotika eingesetzt. Um deren Einsatz zu minimieren, sollten alternative Maßnahmen, wie strikte Hygiene, Verhinderung des Erregereintrages durch kontaminiertes Wasser oder infizierte Fische, die Verwendung von Probiotika und Immunstimulantien und nicht zuletzt Impfungen eingesetzt werden. International sind mono- und polyvalente Impfstoffe für den Salz- und Süßwasserbereich verfügbar. Weiterhin kommen bestandsspezifische Impfstoffe zum Einsatz.

Virale Hämorrhagische Septikämie

Die Erreger der Infektiösen Hämatopoetischen Nekrose (IHN) und der Viralen Hämorrhagischen Septikämie (VHS) sind relativ eng verwandt. In beiden Fällen handelt es sich um Rhabdoviren. Beide Erkrankungen sind gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2018/1882 als Seuchen der Kategorie C gelistet. Die VHS ist wie die IHN in erster Linie eine Infektionskrankheit der Salmoniden, wobei in Deutschland vor allem Regenbogenforellen, insbesondere in der juvenilen Phase betroffen sind. Die Infektionen gehen einher mit Blutungen, Lethargie, Dunkelfärbung, Exophthalmus, Anämie, Aszites und Inappetenz. Der Erreger, das VHS-Virus (VHSV), wird nicht vertikal übertragen, haftet aber an Eiern und Sperma an. Die verschiedenen Virusstämme können in ihrer Virulenz variieren, was zusammen mit entwicklungsbedingten und individuellen Unterschieden in der Empfänglichkeit der Fische zu mehr oder weniger hohen Morbiditäten und Mortalitäten führen kann. Virusreservoire sind infizierte Fische aus Aquakultur und Wildgewässern. Klinische Erkrankungen treten gehäuft zwischen 4 - 14°C auf. Die Bekämpfung beruht auf der Vermeidung des Viruseintrages in Aquakulturbetriebe und der Umsetzung solider Hygienepraktiken und Kontrollrichtlinien. Bislang war die Impfung in Schutzzonen und seuchenfreien Kompartimenten gemäß Fischseuchenverordnung grundsätzlich verboten. Nach Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2016/429 ist die Impfung gegen Seuchen der Kategorie C nicht mehr grundsätzlich verboten. Die zuständige Behörde kann Impfungen von Wassertieren, ggf. auch wild lebenden Wassertieren, damit im Rahmen von durch die EU genehmigten Tilgungsprogrammen als eine Bekämpfungsmaßnahme aufnehmen (Art. 54 der Delegierten Verordnung (EU) 2020/689).  Derzeit stehen allerdings europaweit keine zugelassenen Impfstoffe gegen die VHS zur Verfügung.