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A. 4 Kaninchen

allgemeines Impfschema:

Folgende Impfungen werden für das entsprechende Lebensalter empfohlen:

ab 4 Lebenswochen:   Myxomatose, RHDV-1 und RHDV-2

Je nach Hersteller werden gegen Myxomatose halbjährliche oder jährliche und gegen RHD jährliche Wiederholungsimpfungen empfohlen.

Die Impfung gegen Myxomatose und RHD gilt als Core-Vakzinierung. Gegen RHDV-2 sollten Jungtiere möglichst früh geimpft werden. Es steht ein monovalenter RHDV-2 Impfstoff zur Verfügung, der ab 4 Lebenswochen verabreicht werden kann. Bei Verwendung dieses Impfstoffes wären anschließend Impfstoffe gegen RHDV-1 sowie das Myxomatosevirus anzuwenden. Ein rekombinater Impfstoff auf Basis des Myxomatosevirus enthält zusätzlich Antigenkomponenten beider RHDV-Varianten. Dieser Impfstoff kann ab 5 Lebenswochen eingesetzt werden. Ein weiterer bivalenter RHDV-Impfstoff kann ab 10 Wochen eingesetzt werden. Diese drei Impfstoffe schützen nach einmaliger Anwendung für ein Jahr vor den jeweiligen Erkrankungen. Sind bei dem geimpften Tier Antikörper gegen das Myxomatosevirus vorhanden, entwickelt sich nach Verwendung des rekombinanten Impfstoffes möglicherweise keine ausreichende Immunreaktion gegen die RHD. Hier sollte die zusätzliche Impfung gegen beide RHDV-Varianten mit einem der konventionellen Impfstoffe erwogen werden.

Bordetella/Pasteurella-Infektionen

Eine Impfung gegen Infektionen hervorgerufen durch Bordetella bronchiseptica und Pasteurella  multocida sowie gegen Pasteurellose wird für Heimtierkaninchen nicht empfohlen. Die Impfung kann bei hartnäckigen Bestandsproblemen in Mast- oder intensiven Zuchtbeständen sinnvoll sein . Für Kaninchen ist ein inaktivierter Impfstoff zugelassen, der Antigene von Pasteurella multocida und Bordetella bronchiseptica enthält*. Die Impfung muss separat von den Impfungen gegen Myxomatose und RHD erfolgen. Die Impfung muss von geeigneten Hygienemaßnahmen begleitet werden und hat eine Reduktion des Infektionsdrucks im Bestand zum Ziel. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen. Die Wiederholungsimpfung ist alle 6 Monate zu verabreichen; bei intensiv zur Zucht genutzten Häsinnen sollte mindestens vor jeder zweiten Trächtigkeit eine Impfung erfolgen. Da bei Heimtierkaninchen neben Bordetellen und Pasteurellen auch viele andere Erreger ursächlich für Kaninchenschnupfen sind, erscheint eine Impfung nicht sinnvoll. Erkrankte Tiere sollten in keinem Fall geimpft werden. weitere Informationen

* Der Impfstoff war zum Zeitpunkt der Erstellung der Leitlinien nicht mehr im Handel verfügbar.

Clostridiose

Eine Impfung gegen Clostridien-Infektionen ist für Heimtierkaninchen nicht indiziert. Für Zuchthäsinnen und Jungtiere in größeren Bestände gilt sie als Non-Core-Vakzinierung, da sie nur bei hartnäckigen, nachgewiesenermaßen clostridienbedingten Bestandsproblemen empfohlen wird. In Mast- und intensiven Zuchtbetrieben kann es zu Durchfallerkrankungen kommen, die v. a. bei Jungtieren mit einer bis zu 90%-igen Mortalität einhergehen können. Neben einem guten Hygiene- und Futtermanagement kann die Impfung von Zuchthäsinnen und Jungtieren gegen Toxine von Clostridium (C.) perfringens dazu beitragen, die klinischen Symptome zu reduzieren, die durch alpha- und beta2-Toxin von C.  perfringens-Typ A verursacht werden. Zurzeit ist für die Anwendung am Kaninchen ein Toxoid-Impfstoff zugelassen, der C. perfringens-Typ-A-Toxoide (alpha- und beta2-Toxoid) enthält*. Der Impfstoff kann entweder als Muttertierimpfstoff zum passiven Schutz der Jungtiere über maternale Antikörper oder zur aktiven Immunisierung der Zucht- und Jungtiere verwendet werden. weiterere Informationen

*Der Impfstoff war zum Zeitpunkt der Erstellung der Leitlinien nicht mehr im Handel verfügbar.

Myxomatose

Die Impfung gegen Myxomatose ist eine Core-Vakzinierung. Jedes Kaninchen sollte zu jeder Zeit gegen die Erkrankung geschützt sein. Das Myxomatosevirus kann durch Vektoren (z. B. Stech-mücken oder Flöhe) und direkte Übertragung verbreitet werden. Die Vermeidung des Krankheitseintrages wird dadurch erheblich erschwert, und umso wichtiger ist die Immunprophylaxe. Die Ausprägung der Krankheitssymptome und die Virulenz des Erregers sind stark vom Stamm abhängig. Bei hoch virulenten Erregern kann besonders zu Beginn einer Epizootie Morbidität und Mortalität in nicht geimpften Beständen bei weit über 90 % liegen. Es bestehen sehr geringe Heilungsaussichten. Behandlungsversuche sollten deswegen unterlassen werden. Mehrere attenuierte Lebendvakzinen sind verfügbar. Die Impfung bietet keinen langanhaltenden, absoluten Schutz für das Einzeltier. Zur Verhinderung einer Epizootie ist daher auf kommunaler Ebene eine Impfabdeckung von mindestens 70 % der Kaninchenpopulation anzustreben. Bewährt haben sich in diesem Zusammenhang Impfaktionen, die von lokalen Kleintierzuchtvereinen organisiert werden. Je nach Impfstoff ist die Impfung alle sechs bis zwölf Monate zu wiederholen. weitere Informationen

Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD)

Die Impfung gegen RHD ist eine Core-Vakzinierung. Jedes Kaninchen sollte zu jeder Zeit gegen die Erkrankung geschützt sein. Das Virus der Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD) ist sehr widerstandsfähig in der Umwelt und kann durch belebte und unbelebte Vektoren (Personen, Futter, Gerätschaften, Transportkäfige, indirekte Kontakte auf Ausstellungen, passive Übertragung durch Insekten u. a. m.) leicht verbreitet werden. Neben klassischen Varianten des RHD-Virus (RHDV) ist in Deutschland mittlerweile auch die RHDV-2-Variante weit verbreitet. Durch die Impfung lässt sich die Erkrankung verhindern. Allerdings ist der Impfschutz weitgehend Serotyp-spezifisch. Für eine Impfung gegen beide RHD-Varianten stehen ein bivalenter sowie ein trivalenter Impfstoff, der zusätzlich auch eine Myxomatose-Komponente enthält, zur Verfügung. Beide Impfstoffe schützen gemäß Zulassung nach einmaliger Anwendung für ein Jahr gegen beide derzeit zirkulierenden Varianten des RHD-Virus. Weiterhin gibt es Impfstoffe gegen die klassische RHD-Variante in Kombination mit Myxomatose sowie einen monovalenten Impfstoff gegen RHDV-2. Beim Einsatz des trivalenten Impfstoffes besteht das Problem, dass bei Tieren mit Myxomatose-Antikörpern (z. B. durch eine vorherige Myxomatose-Impfung oder eine überstandene Infektion), die vorhandenen Myxomatose-Antikörper die rekombinanten Impfviren inaktivieren. In solchen Fällen entwickelt sich möglicherweise keine ausreichende Immunreaktion gegen die RHD. Hier sollte die zusätzliche Impfung gegen beide RHDV-Varianten mit einem der konventionellen Impfstoffe erwogen werden.  weitere Informationen