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Impftabelle

C. Rinder

C. 2 Mutterkuhhaltung

Die Mutterkuhhaltung ist eine Produktionsrichtung zur Erzeugung von Fressern für die Rindermast. Sie wird in erster Linie, aber nicht ausschließlich, mit Fleischrinderrassen durchgeführt und ist gekennzeichnet von der Aufzucht der Kälber durch Säugen an der Mutter. Diese Haltungsform ist geprägt von einer hohen Vielfalt hinsichtlich der Herdengröße, der Intensität bzw. Extensiät der Produktion, der Rassen, der Verfügbarkeit eines Stalles, dem Zeitpunkt der Kalbung (z.B. Winterkalbung im Stall oder Frühjahr-/Sommerkalbung auf der Weide, bzw. ganzjährige Kalbung), Belegung der Muttertiere durch natürlichen Deckakt oder künstliche Besamung, Zukäufe, Kontakt zu Rindern anderer Betriebe.

Diese Faktoren determinieren die Erfordernisse an prophylaktische Impfungen im Bestand, sofern diese nicht Bestandteil von Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung sind. Grundsätzlich gilt, dass die Notwendigkeit einer Impfprophylaxe in erster Linie vom Infektionsdruck hinsichtlich eines Erregers in der Herde und der erwarteten Schadwirkung der Infektion abhängt. Der Infektionsdruck wird wesentlich durch die oben genannten Faktoren mitbestimmt. In der Regel ist er größer bei großen Herden, intensiver Haltung und Winterkalbung im Stall. 

Blauzungenkrankheit

Die Wahrscheinlichkeit, dass BTV –insbesondere BTV-8– nach Deutschland gelangt, wird als sehr hoch eingeschätzt. Daher hat die StIKo Vet in einer im Dezember 2016 aktualisierten Stellungnahme empfohlen, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-4 und 8 zu immunisieren.Die Wahrscheinlichkeit, dass BTV –insbesondere BTV-8– nach Deutschland gelangt, wird als sehr hoch eingeschätzt. Daher hat die StIKo Vet in einer im Dezember 2016 aktualisierten Stellungnahme empfohlen, empfängliche Wiederkäuer gegen BTV-4 und 8 zu immunisieren.

Bovine Herpesvirus-Infektionen

Deutschland ist amtlich frei von Bovinem Herpesvirus Typ 1. Die Impfung ist mittlerweile in allen Bundesländern grundsätzlich verboten.

Bovine Virusdiarrhoe

Ziel der Impfung gegen BVDV ist in erster Linie der Schutz des Fetus vor der intrauterinen Infektion. Mit fortschreitender Tilgung des Virus aus den deutschen Rinderbeständen ist ein Verzicht auf eine Impfung in gut geführten, geschlossenen Beständen mit strengen Biosicherheitsmaßnahmen und einer konsequenten Überprüfung der Zukäufe zunehmend vertretbar. Wird allerdings im Rahmen einer Risikobewertung festgestellt, dass der Eintrag von BVDV in eine Herde möglich oder gar wahrscheinlich ist (z.B. aufgrund häufiger, nicht konsequent überprüfter Zukäufe oder eines regionalen Seuchengeschehens), dann ist derzeit zu einer prophylaktischen Impfung des Bestandes zu raten.

Bronchopneumonie

Die Enzootische Bronchopneumonie (EBP) ist ausschließlich eine Kälber- und Jungtiererkrankung. Gerade in großen Betrieben mit Winterkalbung im Stall sollten die Jungtiere ab der 2. Lebenswoche gegen die an der EBP beteiligten Erreger immunsiert werden. Es stehen Impfstoffe zur Verfügung, die nur BRSV- und PI3V-Komponenten enthalten. Da diese Viren eine entscheidende Vorschädigung der Schleimhäute des Respirationstraktes verursachen und damit bakteriellen Sekundärkeimen den Weg bereiten, kann durch die Verwendung dieser Impfstoffe ein Großteil der Problematik verhindert werden. Für Betriebe, in denen Mannheimia-Spezies nachweislich ein Problem darstellen, stehen zusätzlich Kombinations- oder Einzelimpfstoffe zur Verfügung, die Mannheimia haemolytica-Komponenten enthalten.

Clostridiosen

Eine Impfung gegen Clostridieninfektionen kann zeitlich begrenzt in Mutterkuhherden erforderlich sein, in denen klinische Anzeichen aufgetreten sind, die für Infektionen und Intoxikationen, verursacht durch Clostridium perfringens, Clostridium septicum, Clostridium sordellii und Clostridium haemolyticum sprechen. Es wird die Verwendung eines Impfstoffes empfohlen, der ein möglichst breites Spektrum an Clostridien abdeckt. Parallel dazu sollten durch Optimierung der Fütterungs- und Haltungshygiene mögliche Ursachen bzw. prädisponierende Faktoren für die Clostidieninfektionen beseitigt werden.

In den letzten zwanzig Jahren traten Fälle von Rauschbrand sporadisch im Alpenvorland, in Schleswig-Holstein und entlang der niedersächsischen Nordseeküste auf. In endemischen Gebieten wird die Impfung gegen Rauschbrand empfohlen.

Coxiellose

Coxiella burnetii kann Aborte und wirtschaftlich bedeutsame Reproduktionsstörungen bei Rindern verursachen. Zudem ist aufgrund der Übertragungsgefahr auf den Menschen vermehrtes Augenmerk auf die Bekämpfung der Coxiellose zu richten. Bei klinischem Verdacht auf Coxiellose (z.B. bei gehäuften Aborten) sollte entsprechend den Empfehlungen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für hygienische Anforderungen an das Halten von Wiederkäuern, kurz Hygieneleitlinie, der Coxiellose-Status überprüft werden. Der Nachweis kann durch eine bakteriologische Untersuchung von z.B. Abortsubstraten, Eihäuten und Scheidentupfern, oder serologisch erfolgen. Als Bestandteil einer langfristig angelegten Bekämpfungsstrategie kann in infizierten Betrieben die aktive Immunisierung von nicht-infizierten, nicht-tragenden Färsen erwogen werden. Voraussetzung dafür ist die Aufzucht der weiblichen Nachzuchttiere in einer separaten Herde ohne Deckbullen. Die Impfung wirkt am effizientesten bei nicht-infizierten, nicht-tragenden Tieren. Daher sollte der Impfschutz vor der Eingliederung des Deckbullen, bzw. vor der Besamung aufgebaut sein.

Leptospirose

Eine Impfung gegen Leptospirose ist allenfalls bei aus den USA oder UK importierten Tieren zu erwägen. In Deutschland spielt die Leptospirose in Mutterkuhherden eine untergeordnete Rolle. Im Bedarfsfall ist ein Impfstoff gegen Leptospira borgpetersenii Serovar Hardjo in Deutschland zugelassen.

Maul- und Klauenseuche

Es gilt ein generelles Impfverbot. Im Seuchenfall kann allerdings die zuständige Behörde eine Impfung in Form einer Not- (Suppressivmpfung mit dem Ziel die geimpften Tiere nach diener bestimmten Zeit nach der Imfung zu töten) oder Schutzimpfung (Impfung mit dem Ziel, die geimpften Tiere weiter zu nutzen) anordnen.

Neugeborenen-Diarrhoe

Wie im Fall der Bronchopneumonie auch kann die Neugeborenen-Diarrhoe gerade in intensiven Mutterkuhbeständen zum Problem werden. Prophylaktisch wird in solchen Beständen eine Impfung der Färsen und Kühe 6 und 3 Wochen vor dem wahrscheinlichen Kalbetermin empfohlen. Bei Belegung der Muttertiere mit natürlichem Deckakt wird trotz der Unsicherheit bei der Ermittlung des wahrscheinlichen Kalbetermins eine Impfung zu Ende der Trächtigkeit empfohlen. Wenn der Abkalbetermin gar nicht abgeschätzt werden kann, kann die Impfung nicht fachgerecht durchgeführt werden und sollte daher unterbleiben.

Salmonellose

Derzeit sind in Deutschland zwei Lebendimpfstoffe auf Basis der Salmonella-Serovare Dublin, bzw. Typhimurium und ein adjuvantierter Inaktivatimpfstoff auf Basis von S. Typhimurium zur Anwendung beim Rind zugelassen. Durch eine Impfung lässt sich die klinische Ausprägung einer Salmonellose und die Mortalität reduzieren. Auch kommt es zu einer verringerten Erregerausscheidung. Eine Erregerfreiheit, insbesondere bei persistent-infizierten Tieren, lässt sich durch die Impfung nicht erreichen. Die Lebendimpfstoffe induzieren eine belastbarere Immunität im Vergleich zu Inaktivatimpfstoffen. Aufgrund der besonderen Vormagensituation können die oral anzuwendenden Lebendimpfstoffe allerdings nur an Kälber bis zu einem Alter von sechs Wochen verabreicht werden.

Im Ausbruchsfall ist die Infektionsquelle zu ermitteln und erkrankte, infizierte Tiere sind ab-, bzw. auszusondern. Zur Vermeidung wirtschaftlicher Verluste ist der Einsatz der Impfung als begleitende Maßnahme sinnvoll. Alle Tiere eines Bestandes sollten geimpft werden.

Schmallenbergvirus-Infektionen

Das Schmallenbergvirus wird nach einem fulminanten ersten Seuchenzug in den Jahren 2012-2013 derzeit in Deutschland nur noch vereinzelt nachgewiesen. Möglicherweise hat sich aufgrund der natürlichen Durchseuchung ein gewisser Herdenschutz ausgebildet. Es ist ein adjuvantierter Inaktivatimpfstoff zugelassen. Das Hauptinfektionsrisiko besteht von Mai bis November. Sofern geimpft wird, sollte die Grundimmunisierung unbedingt vor der Belegung und vor dem saisonalen Risiko abgeschlossen sein. Die Impfentscheidung sollte der regionalen Seuchenlage entsprechend getroffen werden.

Trichophytie

Derzeit ist eine Reihe von Impfstoffen gegen Trichophytie zugelassen. Zur therapeutischen Anwendung in betroffenen Beständen wird empfohlen, die gesamte Herde zweimal im Abstand von 10-14 Tagen zu impfen. Wiederholungsimpfungen und Nachimmunisierungen von Zukäufen oder Nachzucht werden nach Maßgabe des Zulassungsinhabers empfohlen. Die Trichophytie ist eine Zoonose. Eine Impfung mit dem Ziel der Bestandssanierung verspricht nur dann Erfolg, wenn die Impfmaßnahmen konsequent und längerfristig durchgeführt und durch entsprechende Hygienemaßnahmen begleitet werden.