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Infektiöse Bovine Keratokonjunktivitis

Informationen zum Erreger

Der Haupterreger der Infektiösen Keratokonjunktivitis der Rinder ist Moraxella bovis, ein nicht-sporenbildendes, gramnegatives Stäbchenbakterium. Serologisch lassen sich sieben nicht miteinander kreuzreagierende Serovare unterscheiden. Der Erreger verfügt über eine Reihe von Virulenzfaktoren. Dies beinhaltet unter anderem adhäsive Fimbrienantigene und ein hämolysierendes Zytotoxin, mit dem sich die Symptome der Erkrankung unmittelbar provozieren lassen. Neben Moraxella bovis können auch andere Erreger an dem Krankheitsbild beteiligt sein. Innerhalb der Gattung Moraxella wurde M. bovoculi als weiterer Erreger der Infektiösen Keratokonjunktivitis identifiziert. Daneben können auch Staphylokokken oder Mycoplasmen ähnliche Symptome verursachen.

M.bovis ist weltweit verbreitet. Er besiedelt Konjunktiven und die Schleimhaut des oberen Respirationstraktes. Über asymptomatische Träger gelangt er in bislang unbetroffene Herden. Die Übertragung erfolgt durch Kontaktinfektionen mit Augen- oder Nasensekret, in den Sommermonaten aber auch bevorzugt durch Fliegen. Verletzungen der Kornea durch scharfe Pflanzenteile, wie z.B. Gräsergrannen, sowie UV-Licht oder Zugluft können begünstigend wirken.

Obwohl grundsätzlich alle Altersgruppen betroffen sein können, sind Kälber und Jungrinder in der Regel am empfänglichsten. Klinisch zeichnet sich die Keratokonjuktivitis zu Beginn durch vermehrten Tränenfluss, Blepharospasmus und Lichtscheue aus. Im Verlauf der Erkrankung kann es zum Korneaödem, das zur Ulcusbildung neigt, kommen. Einsprossende Gefäße und entsprechendes Granulationsgewebe führen zu dem klinischen Bild, das im englischen Sprachgebrauch als „pink eye“ bezeichnet wird. Obwohl die Erkrankung eine hohe Selbstheilungstendenz zeigt, sind die Tiere teilweise stark beeinträchtigt und zeigen entsprechende Leistungseinbußen. Durch Sekundärinfektionen kann es zur Panophtalmie kommen, was ggf. die Enukleation erfordert. Neben einer systemischen Antibiose können auch antibiotische Augensalben sowie nicht-steroidale Antiphlogistika zum Einsatz kommen. Glukokortikoide sollten aufgrund der dadurch verschlechterten Abwehrleistung vermieden werden.

Prophylaktisch sind begünstigende Faktoren abzustellen, z.B. kann die Belastung durch Fliegen durch das Einziehen von repellentienbeschichteten Ohrmarken reduziert werden. Bei hartnäckigen Bestandsproblemen kann zusätzlich eine Immunprophylaxe erwogen werden. Leider stehen in Deutschland keine zugelassenen Impfstoffe zur Verfügung. In den Vereinigten Staaten sind inaktivierte Ganzzellvakzine im Einsatz. Je nach Übereinstimmung der Impfstämme mit dem in einer Herde auftretenden Erreger variiert der Impferfolg. Die Wirkung bestandsspezifischer Impfstoffe wird kontrovers beurteilt.

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Gattung Moraxella; Rolf Bauerfeind; S. 177 ff.
  • Rebhun’s Diseases of Dairy Cattle; Editors: Simon F. Peek and Thomas J. Drivers; Elsevier St. Louis 3rd Edition (2018); Infectious Bovine Keratoconjunctivitis; Nita L. Irby and John A. Angelos; S. 696 ff.