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Mykoplasmen-Infektionen (Mycoplasma bovis)

Informationen zum Erreger

Mycoplasmen gehören zur Klasse der Mollicutes. Die Zellen sind 0,1-0,3 µm groß und pleomorph, da ihnen eine formgebende Zellwand fehlt. Dadurch sind sie in der Gramfärbung schlecht darstellbar und nicht in das Gramschema einzuordnen. Sie tragen ein relativ kleines Genom. Die daraus resultierende, eingeschränkte Stoffwechselkapazität erlaubt nur eine parasitäre oder kommensale Lebensweise und erklärt die hohen Ansprüche, die Mycoplasmen an das Anzuchtmedium stellen. Der ursprünglich bedeutsamste Vertreter der Mycoplasmen beim Rind ist der Erreger der Lungenseuche, Mycoplasma mycoides subsp. mycoides. Aufgrund effizienter, früher Bekämpfungsmaßnahmen ist diese Seuche in Deutschland seit 1926 nicht mehr aufgetreten.

Von großer, aktueller Bedeutung ist dagegen Mycoplasma bovis. Die Spezies ist serologisch einheitlich. Molekularbiologisch lassen sich aber unterschiedliche Stämme differenzieren. Häufig verursacht M.bovis enzootische Krankheitsverläufe. Wirtschaftlich am bedeutsamsten sind Mastitiden. Die Besiedelung erfolgt häufig galaktogen-aszendierend. Der Schweregrad kann von katarrhalischen Verläufen zur völligen Destruktion einzelner Euterviertel variieren. Bei Kühen kann es auch zu Infektionen des Genitaltraktes kommen. Die Folge können Aborte und Nachgeburtsverhalte sein. Kälber können an käsig-nekrotisierenden Bronchopneumonien mit nachfolgender Polyarthritis erkranken. Im Gegensatz zu den Organmanifestationen bei erwachsenen Kühen geht die Mycoplasmen-Infektion bei Kälbern häufig mit einem hochgradig gestörten Allgemeinbefinden und Fieber bis zu 41°C einher. Klinisch werden zum Teil auch Otitiden und Keratokonjunctivitiden beobachtet. Epidemiologisch spielt die Ausscheidung mit dem Sperma eine Rolle, da Mycoplasmen auch in Tiefgefriersperma infektiös bleiben können.

Diagnostisch ergeben sich Hinweise auf eine Mycoplasmen-Infektion aus den klinischen Befunden gepaart mit dem häufig negativen, bakteriologischen Befund. Der mikrobiologische Nachweis gelingt auf Spezialböden. Die Speziesdifferenzierung erfolgt mittels Immunfluoreszenztest oder PCR.

Mycoplasmen-Infektionen erweisen sich auch unter Antibiose häufig als therapieresistent. Am ehesten werden Makrolide, Fluorchinolone oder Tilmicosin zur Behandlung empfohlen. In den USA kommen Impfstoffe zur Prophylaxe der Mastitis sowie der Bronchopneumonie zum Einsatz. In Deutschland sind bislang keine Impfstoffe zugelassen. Der Einsatz bestandsspezifischer Impfstoffe ist allenfalls bei recurrierenden Polyarthitiden im Mastbereich in Erwägung zu ziehen. In Milchbetrieben und insbesondere zur Mastitisprophylaxe wird von der Verwendung bestandsspezifischer Impfstoffe abgeraten.

weiterführende Literatur

  • Tiermedizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre; Herausgegeben von H.J. Selbitz; U. Truyen; P. Valentin-Weigand; Enke-Verlag Stuttgart 10. Auflage (2015); Mycoplasma-bovis-Infektionen; Hans-Joachim Selbitz; S. 320 ff.